Versicherungen

Gröhe will gesunde Lebensweise belohnen

Minister plant verpflichtende Regeln für alle Krankenkassen. Kritik von der AOK

Wer gesund lebt, soll künftig von seiner Krankenkasse dafür belohnt werden. Jede Krankenkasse werde „in der Regel verpflichtet, in ihrer Satzung Boni als finanzielle Anreize für ein gesundheitsbewusstes Verhalten ihrer Versicherten vorzusehen“, heißt es im Referentenentwurf für das geplante Präventionsgesetz. Bislang können Krankenkassen bereits Versicherte belohnen, die Kurse zur Verringerung von Krankheitsgefahren belegen und sich etwa das Rauchen abgewöhnen oder ihr Übergewicht abbauen.

Künftig soll daraus eine verpflichtende Soll-Bestimmung werden, schreibt die „Rheinische Post“. Für die Nutzung betrieblicher Angebote zur Gesundheitsförderung soll es Boni sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Versicherten geben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe(CDU) will den Kassen zudem vorschreiben, ihre Aufwendungen für Prävention von 3,09 Euro auf sieben Euro je Mitglied zu erhöhen.

Insgesamt werden nach Angaben des Ministeriums die Ausgaben für die Vorbeugung von Erkrankungen auf rund 530 Millionen Euro jährlich verdoppelt. Jeweils 140 Millionen Euro müssen laut Gesetz in Kindergärten und Schulen sowie in die Betriebe fließen. Die Bürger werden dies aber frühestens 2016 zu spüren bekommen, wenn das Gesetz in Kraft ist. Nach dem Entwurf sollen die Krankenkassen darüber hinaus künftig 35 Millionen Euro an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zahlen. Das stieß auf Kritik bei AOK-Bundesverbandschef Jürgen Graalmann. „Bundesweite Plakataktionen, Hochglanzbroschüren und Ermahnungen oder Präventionsangebote nach dem Gießkannenprinzip gehen häufig am Bedarf vorbei“, sagte er. Stattdessen sollten auf der Basis regionaler Besonderheiten „passgenaue Präventionslösungen“ gefunden werden. „Wir sind überzeugt davon, dass sich weitaus bessere Präventions- und Versorgungsergebnisse erzielen lassen, wenn Betriebsärzte, Krankenkassen und niedergelassene Ärzte vernetzt zusammenwirken“, sagte Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, in Berlin. Dafür müssten aber die Befugnisse der Betriebsärzte erweitert werden. Grundsätzlich sei es richtig, dass auch die kleinen und mittelständigen Betriebe mehr Unterstützung bei der betrieblichen Gesundheitsförderung bekommen sollen, denn sie beschäftigten bundesweit 60 Prozent der Erwerbstätigen.