Nachruf

Trauer um Klaus Bölling

Sprecher des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt stirbt mit 86 Jahren

Der Journalist und Politiker Klaus Bölling ist im Alter von 86Jahren gestorben. Das hat – nach Rundfunkberichten – Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntagabend bestätigt. Bölling war von 1973 bis 1974 Intendant von Radio Bremen und von 1974 bis 1982 Regierungssprecher der damaligen sozialliberalen Koalition in Bonn.

Der gebürtige Potsdamer Bölling arbeitete von 1947 an als Redakteur beim Berliner „Tagesspiegel“ und bei Rias Berlin. Später ging er zum Westdeutschen Rundfunk, wo er in den 60er-Jahren mit Gerd Ruge die Sendung „Weltspiegel“ entwickelte. 1974 holte ihn der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) als Sprecher der Bundesregierung nach Bonn. Bölling galt als enger Berater von Schmidt. Seine Zeit als Regierungssprecher war maßgeblich geprägt durch die Terroranschläge der Rote Armee Fraktion (RAF). Während der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ durch ein palästinensisches Kommando 1977 hielt Bölling Kontakt zu den Flugzeugentführern im somalischen Mogadischu. Die Kidnapper hatten mit der Entführung RAF-Terroristen aus deutschen Gefängnissen freipressen wollen. Die Passagiere der „Landshut“ wurden jedoch durch die deutsche Anti-Terror-Einheit GSG 9 befreit. 1981 wurde Bölling Nachfolger von Günter Gaus als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der damaligen DDR. Ein Jahr später kehrte das SPD-Mitglied jedoch in das Amt als Regierungssprecher zurück und übte diese Tätigkeit bis zum Ende der sozialliberalen Koalition 1982 aus. In den folgenden Jahren war Bölling wieder vorrangig als Journalist tätig.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte ihn: „Klaus Bölling war ein wichtiger Helfer Berlins in den Jahren der Teilung. Ein herausragender Journalist und Publizist, aber vor allem ein hartnäckiger, verlässlicher Repräsentant und Verhandler gegenüber dem Regime im Osten in den schwierigen Zeiten vor dem Mauerfall.“