Hetzjagd

Hooligans jagten Zugreisende

Nach der Demonstration in Köln wurden Migranten in der Bahn bedroht

Nach den Ausschreitungen von Hooligans vor einer Woche in Köln haben rechtsextreme Demonstranten in Zügen offenbar eine Hetzjagd auf ausländische Fahrgäste gestartet. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf Polizeikreise meldet, mussten Schaffner in einem Zug von Köln nach Münster Reisende mit Migrationshintergrund vor rechten Hooligan-Attacken im hintersten Abteil in Sicherheit bringen und den Waggon abschließen. Auf dem Hinweg zur Demonstration „Hooligans gegen Salafisten“ in Köln sollen zudem Neonazis der Kameradschaft „Aachener Land“ in Düren Migranten zum Verlassen des Zuges genötigt haben. „Das waren beschämende Szenen“, zitierte das Magazin einen leitenden Polizeibeamten.

Der „Focus“ berichtet auch von Polizei-Pannen bei der Demonstration. So habe der Kölner Führungsstab Warnungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz vor dem Aufmarsch von Hooligans und Rechtsextremisten bei der Einsatzbesprechung mit Polizeiführern verschwiegen. „Das ist nicht in die Befehlslage eingeflossen“, sagte ein Polizeiführer. In Köln war am Sonntag vergangener Woche eine Demonstration von 4800 Hooligans und Rechtsextremisten eskaliert, die sich offiziell gegen Salafisten richtete. Bei Straßenschlachten wurden fast 50 Polizisten verletzt.

Aufmarsch in Berlin fraglich

Unterdessen erfuhr die Berliner Morgenpost, dass der Berliner Polizei derzeit keine Anmeldung für eine Hooligan-Demonstration am 15. November vorliegt. Die bisherige – auf einem Online-Formular erfolgte – Anmeldung ist nicht wirksam. Der Anmelder habe schriftlich erklärt, dass sie jemand mit seinen Daten aber ohne sein Wissen vorgenommen habe, teilte die Polizei am Sonnabend mit. Der Mann habe nicht die Absicht, zu einer Kundgebung in Berlin aufzurufen. Polizeisprecher Stefan Redlich betonte, dass natürlich noch andere Menschen zu diesem Termin eine Kundgebung anmelden könnten. Gegenwärtiger Stand sei aber, dass am 15. November keine Demo „Hooligans gegen Salafisten“ stattfinde. Zunächst waren dafür 1000 Teilnehmer angemeldet, zuletzt waren es 10.000. Ein Polizeisprecher äußerte vor der überraschenden Wende die Vermutung, dass es sich bei dem Anmelder um einen vorgeschobenen Strohmann handeln könne „oder um einen Trittbrettfahrer, der sich mit einer Anmeldung wichtig macht“. Den Beamten fiel auf, dass der Mann polizeilich nicht einschlägig bekannt war. Die „Hooligans gegen Salafisten“ seien aber andererseits kein Verein oder eine feste Gruppierung, bei der es verantwortliche Ansprechpartner gebe. Unklarheit besteht laut Berliner Polizei auch für die am 9.November angemeldete Demonstration von Rechtspopulisten am Reichstagsgebäude. „Wir wissen noch nicht, wie weit das Substanz hat. Bisher basieren alle Annahmen nur auf wenigen Behauptungen im Internet.“