Kommentar

Richtige Entscheidung

Björn Hartmann über Vattenfalls Ausstieg aus der Braunkohle

Vattenfall will sich von der Braunkohle-Förderung und den dazugehörenden Kraftwerken in Brandenburg und Sachsen trennen. Aus unternehmerischer Sicht ist der Abschied völlig richtig. Der staatliche Konzern aus Schweden hätte sich sogar schon viel früher zu dem Schritt durchringen müssen. Das Geschäft bereitet dem Unternehmen zunehmend Sorge und belastet den Konzern, der sich künftig vor allem auf Handel, Fernwärme und erneuerbare Energien konzentrieren will. Bereits im vergangenen Jahr wiesen die mit Braunkohle befassten Tochterfirmen bei einem Umsatz von rund vier Milliarden Euro einen Verlust aus dem laufenden Geschäft von rund einer halben Milliarde Euro aus. Eine Besserung ist nicht in Sicht.

Im Zuge der Energiewende wird der Anteil an erneuerbaren Energiequellen, also die Zahl von Wind- und Solarparks zunehmen. Gleichzeitig gibt es schon jetzt ein Überangebot von Energie, zahlreiche Kraftwerke, die mit fossiler Energie betrieben werden, sind nicht am Netz, die Großhandelspreise fallen. Der Wert der Anlagen sinkt deshalb, allein im dritten Quartal schrieb das Unternehmen rund 884 Millionen Euro auf Anlagen in Deutschland und den Niederlanden ab. Vattenfall sieht in dieser Situation wenig Chancen für das Geschäft mit Kohlestrom. Zudem will das Unternehmen seinen CO2-Ausstoß senken, und Braunkohle zu verstromen, erzeugt sehr viel CO2.

Unklar ist allerdings, ob sich ein Käufer für die Braunkohleaktivitäten findet. Denn auch andere Konzerne haben in Europa mit demselben Problem zu kämpfen wie Vattenfall. Sollte niemand Interesse haben, wird das Unternehmen das Geschäft sicher selbst geregelt abwickeln und sich dabei an den technischen Laufzeiten der verschiedenen Kraftwerksblöcke orientieren. Der Neueste ist von 1998, bei einer maximalen Laufzeit von 40 Jahren wäre spätestens 2038 Schluss mit Förderung und Verstromung. Wahrscheinlich ist aber ein deutlich früheres Ende.

Weder Vattenfall noch ein möglicher Käufer werden den Betrieb in der Lausitz und in Sachsen auf einen Schlag einstellen. Aber sie werden ihn deutlich schrumpfen. Mit den derzeit rund 9000 Arbeitsplätzen in der Region werden die jeweiligen Landesregierungen künftig nicht rechnen können, auch nicht mit den Steuereinnahmen der Vergangenheit. Die Politik muss wesentlich stärker als bisher versuchen, andere Wirtschaftszweige anzulocken. Etwas, womit sie früher hätten anfangen müssen.