Kommentar

Sucht nach Selbstjustiz

Torsten Krauel über die Demonstration der Hooligans

Mit einer Kundgebung haben die Ausschreitungen am Sonntag in Köln nichts gemein gehabt, und mit Fußball schon gar nicht. Was sich am Wochenende in Nordrhein-Westfalen dort zeigte, war die Sehnsucht nach Selbstjustiz, angeblich aus Angst vor gewalttätigen Salafisten, in Wahrheit aber aus der Geringschätzung der Demokratie heraus.

Die Verachtung für demokratische Regeln ist in den Augen der rechtsradikalen Gewalttäter durch das provokatorische Auftreten der Salafisten nun endlich gerechtfertigt. Dieselbe Sehnsucht nach Selbstjustiz bewegt die Rockerbanden in Deutschland, auf eigene Faust den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) aufzunehmen. Sie alle, ob sie nun „frei, sozial und national“ schreien oder gleich die Waffe in die Hand nehmen, mögen vieles sein – aber Verteidiger Deutschlands sind sie so wenig wie die Kopfabschneider des Islamischen Staats die Verteidiger des Islam sind. Diesen Menschen geht es darum, das eigene Weltbild absolut zu setzen. Solche Haltung führt nur zu Gewalt und mehr Gewalt, zum Faustrecht und zum Unrecht des angeblich Stärkeren, und am Ende steht nicht Vertrauen in den Rechtsstaat, sondern die Angst aller vor allem und jedem.

Die Organisatoren der Kölner Kundgebung – es sind Mitglieder der schon bekannten Gruppierung „Pro NRW“,– haben seit jeher ein Problem mit Muslimen in dem Sinne, dass sie alle über einen Kamm scheren, Salafisten und jede andere muslimische Glaubensrichtung. Aus solchem Schwarz-Weiß-Denken kommt ja die Sucht nach Selbstjustiz. Nun wird deutschlandweit darüber gestritten, wie man auf diese Hass-Demonstrationen reagieren soll. Darauf mit demonstrativen Einschränkungen der Versammlungsfreiheit zu antworten, wäre aber zu viel Ehre für solche Randgruppen. Und es wäre aber auch der falsche Weg.

Wichtig ist erst einmal eine klare Position von Politikern, von Vertretern der Justiz und auch den Medien gegenüber solchen extremistischen Vereinfachern, die sich hier auf die Straße begeben. Zu einer solchen Position gehört, sich in Deutschland die Tagesordnung nicht von Ängsten vor Gewalttätern diktieren zu lassen. Zu ihr gehört, nicht gleich jede Terrortat und jeden Gewaltausbruch zum Ende Deutschlands zu erklären. Ebenso und gleichrangig gehört dazu, ohne Denkverbote jede Möglichkeit der Vorbeugung zu durchdenken.