Gewalt

Iran vollstreckt Todesurteil gegen 26-Jährige

Architektin trotz internationaler Proteste wegen Mordes gehängt

Trotz internationaler Appelle ist im Iran am Sonnabend eine 26-jährige Frau nach fünf Jahren in der Todeszelle hingerichtet worden. Die Innenarchitektin Reyhaneh Dschabbari sei im Morgengrauen gehängt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Teheran. In einer Nachricht auf einer Facebook-Seite, auf der zur Rettung des Lebens der jungen Frau aufgerufen worden war, wurde die Urteilsvollstreckung bestätigt.

Die 26-Jährige war wegen Mordes an dem Geheimdienstmitarbeiter Mortesa Abdolali Sarbandi verurteilt worden. Dem UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, Ahmed Shaheed, zufolge war Dschabbari von Sarbandi als Innenarchitektin engagiert worden. In seiner Wohnung soll er sie sexuell belästigt haben, woraufhin sie ihn in Selbstverteidigung erstochen habe. Neben iranischen Schauspielern und anderen Prominenten gab es auch im Westen zahlreiche Stimmen, die eine Aussetzung der Todesstrafe für die junge Frau gefordert hatten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen und internationaler Menschenrechtsgruppen kam Dschabbaris Geständnis unter massivem Druck und Drohungen seitens der Anklage zustande. Die UN haben bereits mehr als 250 Hinrichtungen im Iran in diesem Jahr gezählt.

Laut der Organisation Amnesty International ist die Zahl der Hinrichtungen weltweit im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Am häufigsten werde die Todesstrafe weiter in China vollstreckt, wo vermutlich auch 2013 wieder Tausende Gefangene getötet worden seien, erklärte die Menschenrechtsorganisation. In den übrigen Staaten seien zusammen mindestens 778 Menschen hingerichtet worden, 96 mehr als im Vorjahr. Verantwortlich für den Anstieg seien vor allem der Iran, wo mindestens 369-mal die Todesstrafe vollstreckt worden sei, und der Irak mit mindestens 169 Fällen.

Die Organisation teilte mit, auch im Iran sei davon auszugehen, dass es dort Hunderte offiziell nicht bestätigte Exekutionen gegeben habe. „Der Iran hält wie so manches Land Zahlen über Todesurteile und Hinrichtungen geheim, außerdem entsprechen die Gerichtsverfahren oft nicht internationalen Standards“, sagte eine Amnesty-Sprecherin.