Ukraine-Konflikt

Separatisten schmieden eigenen Staat

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André Eichhofer

Zustimmung zu Beobachtermission signalisiert. MH17-Absturzstelle wieder zugänglich

„Lasst uns durch“, ruft die aufgebrachte Menge vor dem Sowjetbau am Puschkin-Boulevard in Donezk. Hunderte Rentner, Mütter und Kinder haben sich vor dem Betonklotz versammelt, in dem einst die Gebietsverwaltung von Donezk residierte und der jetzt den prorussischen Separatisten als „Regierungssitz“ dient.

In dem Betonklotz schmieden die Separatisten an ihrem Staat, der sogenannten Volksrepublik Donezk. Es sollen Ministerien, Parlament, Verwaltung und Justiz entstehen. Die Separatisten hoffen auf ein von der Ukraine unabhängiges Gebiet, ähnlich wie die Republik Transnistrien, die sich 1991 von Moldau abspaltete.

In den Augen der Separatisten ist der Zeitpunkt für einen eigenen Staat günstig. Offiziell besteht seit Anfang September eine Waffenruhe zwischen Kiew und den Rebellen. Am Sonntag einigte sich der neue Donezker Gouverneur Alexander Kichtenko mit den Milizen auf eine weitere Feuerpause. Der bisherige Gouverneur Sergej Taruta war von Präsident Petro Poroschenko gefeuert worden. Er hatte sich immer wieder dafür ausgesprochen, die Militäroffensive in der Ostukraine fortzusetzen. Poroschenko erklärte, dass er einen Friedensplan für die Ostukraine umsetzen wolle. Unter anderem solle eine 15 Kilometer breite Pufferzone geschaffen werden. Über den Plan wolle Poroschenko in dieser Woche mit Wladimir Putin in Mailand sprechen.

Nach dem Abzugsbefehl Moskaus für russische Soldaten aus dem Grenzgebiet zur Ukraine vom Sonntag, sendeten auch die Separatisten in der Unruheregion am Montag Signale der Entspannung. Die Aufständischen würden einer möglichen deutsch-französischen Beobachtermission in dem Konfliktgebiet grundsätzlich zustimmen, sagte einer der Anführer, Andrej Purgin, am Montag in Donezk. Die militanten Gruppen erlaubten zudem ukrainischen Helfern den Zugang zum Trümmerfeld des malaysischen Flugzeugs, das im Juli in der Ostukraine abgestürzt war. Mitarbeiter des ukrainischen Katastrophenschutzes nahmen daraufhin sofort die Suche nach möglichen Leichenteilen und dem Eigentum von Opfern des Fluges MH17 wieder auf. Auch vier Mitarbeiter des niederländischen Verteidigungsministeriums besuchten die Absturzstelle.