Kommentar

Ein Signal für Mut und Standhaftigkeit

Dietrich Alexander über die Verleihung des Friedensnobelpreises

Es sind die richtigen Zeichen zur richtigen Zeit. Das Nobelpreiskomitee hat mit der diesjährigen Vergabe des Friedensnobelpreises je zur Hälfte an die 17-jährige pakistanische Schülerin Malala Yousafzai und den indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi viel Sensibilität bewiesen. Die Ehrung sendet gleich mehrere Signale aus.

Zunächst ist die Auszeichnung an Malala, der im Alter von 14 Jahren von radikalislamischen Taliban in ihrem Dorf auf dem Weg von der Schule nach Hause in den Kopf geschossen wurde, eine deutliche Absage an jede Form radikaler Religionsauslegung und daraus resultierender Hybris und Rücksichtslosigkeit. Das Komitee verneigt sich vor dem Mut einer zierlichen Pakistanerin, die selbst nach dem Attentat ihre Stimme gegen Intoleranz und Fanatismus erhebt – in einem Land, in dem das lebensgefährlich ist.

Das passt in jede Zeit, in der radikale Terroristen einen ideologischen Krieg gegen alle Andersdenkenden führen und mit ihrer unfassbaren Brutalität den Islam als monotheistische Weltreligion täglich diskreditieren. Malala ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten, ihre Ehrung ist eine Investition in die Zukunft – verbunden mit der klaren Aussage, solch menschenverachtende Ideologie nicht hinzunehmen. Ihre Mission hat erst begonnen, und es gibt viel zu tun in Ländern wie Saudi-Arabien, Nigeria, Afghanistan oder China. Politikerin will sie werden, trotz weiterer Morddrohungen. Das mutige Mädchen aus dem Swat-Tal ist zu einer Ikone geworden und zum Vorbild für die Jugend, die sich nicht mehr unterdrücken lassen will. Sie ist eine Heldin.

So wie der zweite Preisträger. Den Preis zu teilen und mit dem 60-jährigen indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi die Botschaft aus Oslo zu vervollständigen, ist eine kluge Entscheidung. Kinderschutz, Kinderrechte, Schulbildung – es sind die Axiome menschlicher Zivilisation und jeder funktionierenden Zivilgesellschaft, für die beide Preisträger streiten und wofür sie nun geehrt wurden. Satyarthis Mission wird von Idealismus und der Zuversicht getragen, etwas mehr Würde und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Auch er ist ein Vorbild.

Es ist müßig, die Frage zu stellen, ob der halbe Preis an den Inder eine Kompensation dafür ist, dass der große Mahatma Gandhi die hohe Auszeichnung nie erhalten hat. Aber eine kleine Rolle mag das gespielt haben. So wurden in diesem Jahr Bürger zweier verfeindeter Atommächte mit der renommiertesten Auszeichnung geehrt, die es zu vergeben gibt. Ein Hindu und eine Muslima. Noch eine Botschaft.