Kommentar

Die Seuche und wir

Pia Heinemann über die Ausbreitung von Ebola in Europa

Nun ist Ebola also in Europa angekommen. Nicht nur mit Patienten, die unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in eine Isolierstation gebracht wurden und mit westlicher Hightech-Medizin vor dem relativ sicheren Tod gerettet werden sollten. Nein, das Virus hat es geschafft, in Spanien von einem infizierten Geistlichen, der in Westafrika geholfen hatte, auf eine Krankenschwester überzuspringen. Wohlgemerkt: in Madrid, in einer westlichen Klinik, in der alle Ärzte und Pflegekräfte hätten wissen müssen, mit was für einer Krankheit sie es zu tun haben.

Damit hat die Ebola-Katastrophe eine neue Dimension erreicht. Nun beschleicht viele die Panik. Kann auch in Europa wie in Dallas über einen Fluggast, der keine Symptome hatte, Ebola eingeschleppt werden? Muss man sich sorgen, wenn man Flughäfen betritt oder in den Urlaub fliegen möchte? Müssen wir hier bald mit liberianischen Zuständen rechnen?

Da offensichtlich überall Fehler passieren können, ist die schlichte Antwort auf diese Fragen: Ja. Es kann passieren, dass Ebola auch nach Deutschland kommt. Unsere Gesellschaft ist mittlerweile zu mobil geworden, als dass Viren und andere Erreger an den Grenzen abgewehrt würden. Das Risiko ist zwar gering, aber es besteht. Natürlich ist das hiesige Gesundheitssystem um Klassen besser als das der westafrikanischen Länder. Eine Epidemie ähnlichen Ausmaßes wird es hierzulande kaum geben. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn die Behörden Fehler wie den in Madrid oder auch den in Dallas besser einkalkulieren würden. Warum werden Fluglinien nicht geschlossen oder umgeleitet? Warum werden Menschen, die aus Liberia, Guinea oder Sierra Leone einreisen und dort Kontakt zu Infizierten hatten, nicht stärker untersucht oder in Quarantäne gestellt? Warum wird das Personal der Hochsicherheitsstationen einer Klinik nicht besser geschult und überprüft?

Die Situation in Westafrika verschärft sich immer weiter, täglich sterben dort Ebola-Patienten, täglich infizieren sich neue Menschen. Die Weltgemeinschaft hat dabei versagt, das Ausmaß der Katastrophe in diesen Ländern gering zu halten. Nun sollte sie es nicht auch noch verpassen, die restliche Welt vor dem Erreger zu schützen. Denn die steigende Zahl der Infizierten lässt auch das Risiko hierzulande wachsen. Mehr Sicherheit können nur Kontrollen, Beschränkungen und Verbote bringen. Angesichts des steigenden Unbehagens wären solche Maßnahmen wahrscheinlich nicht einmal unpopulär.