Terror

IS-Dschihadisten enthaupten offenbar weitere britische Geisel

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Türkei bereit zu Angriffen auf die Terrormiliz in Syrien

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar den in Syrien verschleppten Briten Alan Henning enthauptet. Das legt ein Video nahe, das am späten Freitagabend in den üblicherweise von den IS-Extremisten benutzten Internet-Kanälen veröffentlich wurde. Es ist das vierte Video einer Enthauptung, das der IS veröffentlicht hat. Die Extremisten töteten bereits die US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Helfer David Haines. Auch im jüngsten Film wird die Enthauptung nur angedeutet, aber nicht gezeigt. Er endet mit einer Drohung gegen die USA, die mit ihren Verbündeten Luftangriffe gegen den IS in Syrien und den Irak fliegen.

Das Opfer kniet in orangefarbener Häftlingskleidung auf dem Boden. Neben ihm ist ein in schwarz gekleideter, völlig vermummter IS-Kämpfer zu sehen. Henning muss ein vorbereitetes Statement vortragen: „Wegen der Entscheidung unseres Parlaments, den Islamischen Staat anzugreifen, werde nun ich, ein Mitglied der britischen Öffentlichkeit, den Preis für diese Entscheidung zahlen.“ Wie in den früheren Videos wird auch diesmal eine weitere Geisel als mögliches neues Opfer vorgeführt. Es handelt sich dabei um einen Entwicklungshelfer aus den USA.

Das britische Außenministerium erklärte, man arbeite mit Hochdruck daran, die Echtheit des Videos zu prüfen. Sollte es sich bewahrheiten, wäre es ein weiterer „widerlicher Mord“, so Premierminister David Cameron. US-Präsident Barack Obamas Heimatschutz- Beraterin Lica Monaco sagte, dass das Video – sollte seine Echtheit bestätigt werden – sei ein „weiteres Beispiel für die Brutalität dieser Gruppe“.

Der 47-jährige Henning war im Dezember als Fahrer eines Hilfskonvois nach Syrien gekommen. Kurz hinter der türkischen Grenze wurde er entführt. Noch drei Tage vor der Veröffentlichung des aktuellen Videos hatte Hennings Ehefrau Barbara die Entführer in einer Botschaft um die Freilassung ihres Mannes angefleht. Der Vater zweier Kinder sei auch nach der islamischen Scharia unschuldig. Kurz bevor er verschleppt wurde, hatte Henning erklärt, was ihn antrieb: „Unser Opfer ist nichts im Vergleich zu dem, was sie Tag für Tag durchmachen.“ Zu sehen, dass Hilfsgüter auch wirklich ankämen, sei den Aufwand wert.

Unterdessen bekommt das internationale Militärbündnis gegen die Terroristen weitere Unterstützung. Kanada signalisierte, sich auf Bitte der USA an den Luftangriffen auf IS-Stellungen zu beteiligen. Die Türkei hatte bereits am Donnerstag vom Parlament Militäreinsätze gegen den IS in Syrien und dem Irak genehmigt bekommen. IS-Kämpfer stehen nur wenige Kilometer vor der überwiegend von Kurden bewohnten syrischen Grenzstadt Kobane. Sie befinden sich damit in Sichtweite türkischer Militärposten. Hunderte Dörfer in der Umgebung werden bereits von der Miliz kontrolliert.

Laut des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu sind mehr als 180.000 Kurden in die Türkei geflohen. „Wir wollen nicht, dass Kobane fällt. Wir tun, was immer wir können, damit dies nicht geschieht“, sagte er. „Kein anderes Land hat wie unseres die Möglichkeit, die Entwicklung in Syrien und im Irak zu beeinflussen, kein anderes Land wird aber auch so davon betroffen sein.“ Ob dies auch ein militärisches Eingreifen bedeutet, ließ er offen.

( BM )