Appell

Entführte Deutsche senden Hilferuf an die Bundesregierung

Die beiden auf den Philippinen entführten Deutschen haben über Rundfunk einen Hilferuf an die Bundesregierung gerichtet.

Ihre Kidnapper von der Terrororganisation Abu Sayyaf riefen am Montag bei dem Sender DXRZ in Zamboanga City im muslimischen Süden des Landes an und ließen die beiden zu Wort kommen. „Wir appellieren an die deutsche und die philippinische Regierung, alles in ihrer Macht stehende zu tun. Wir sind in einer schwierigen Lage“, sagte die 55-jährige Frau. Ihr Begleiter sagte: „Ich fürchte um mein Leben.“ Der 74-Jährige, der aus dem hessischen Eltville stammt, sagte, er sei Arzt. „Wir wissen nicht, wie lange wir damit noch fertig werden.“

Die beiden Deutschen waren im April von der al-Qaida nahestehenden Gruppe Abu Sayyaf mit Waffengewalt von ihrer Jacht zwischen der Insel Borneo und den Philippinen verschleppt worden. In der vergangenen Wochen hatte Abu Sayyaf damit gedroht, eine der beiden Geiseln zu ermorden, falls Deutschland weiter den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak unterstützt. Außerdem wurde ein Lösegeld in Höhe von 5,6 Millionen US-Dollar verlangt. Die Kidnapper stellten ein zweiwöchiges Ultimatum. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein und erklärte, Drohungen seien kein Mittel, um Einfluss auf die Syrien- oder Irak-Politik der Bundesregierung zu nehmen. Die philippinische Regierung lehnte es ab, mit Abu Sayyaf zu verhandeln. Stattdessen wurden verstärkt Militär und Polizei im Süden des Landes zusammengezogen, um nach den Geiseln zu suchen.

Abu Sayyaf fordert einen unabhängigen islamistischen Staat in den Südphilippinen. Von den USA wird die Gruppierung als Terrororganisation eingestuft. Wiederholt entführte sie Menschen, um Lösegeld zu erpressen. Zu ihren Geiseln gehörte im Jahr 2000 die Göttinger Familie Wallert. Derzeit sollen sich insgesamt zehn Menschen in ihrer Gewalt befinden.