Syrien-Konflikt

Das Ende einer Flucht

Syrische Kriegsflüchtlinge vor Zypern gerettet. US-geführte Allianz setzt Luftangriffe auf IS fort. Reisewarnung des Auswärtigen Amtes

Unter Androhung von Gewalt hat die zyprische Polizei am Freitag Hunderte Flüchtlinge aus Syrien dazu gezwungen, das Kreuzfahrtschiff „Salamis Filoxenia“ im Hafen von Limassol zu verlassen. Die Flüchtlinge waren am Vortag rund 50 Seemeilen südwestlich von Zypern bei starkem Seegang an Bord des zyprischen Schiffes genommen worden. Zuvor hatten sie ein Notsignal gesendet. Nach der Ankunft in Limassol weigerte sich die Mehrheit der Flüchtlinge, an Land zu gehen. Sie forderten, nach Italien gebracht zu werden. Zeitgleich bombardierte die US-geführte internationale Koalition in Syrien den zweiten Tag in Folge Ölanlagen unter Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Auswärtige Amt in Berlin verschärfte wegen der angespannten Sicherheitslage seine Warnung für Reisende weltweit.

Nach mehrstündigen ergebnislosen Verhandlungen mit den Behörden griff die zyprische Bereitschaftspolizei ein. „Gegen fünf Uhr morgens (Freitag) wurden die Lichter an Bord des Schiffes ausgeschaltet. Dann ging die Polizei rein“, sagte ein Augenzeuge. Die Migranten kamen wenig später sichtlich aufgeregt heraus. „Wir haben Druck, aber keine Gewalt angewendet“, erklärte der zyprische Justizminister, Ionas Nikolaou. Zypern werde die Rechte der Migranten respektieren und jeden Asylantrag einzeln prüfen. Flüchtlinge sagten den Behörden, sie hätten pro Kopf 6000 Euro an eine Schleuserbande gezahlt, die sie aus Syrien nach Italien bringen sollte. Der Kapitän und die Besatzung hätten aber heimlich den Kutter verlassen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen.

Die internationale Koalition bombardierte im Osten Syriens unter anderem das Ölfeld Al-Tanak in der Nähe der Stadt Dair as-Saur. Zudem habe sie IS-Stellungen in der Provinz Hasaka ins Visier genommen. Die Extremisten kontrollieren in Syrien und im Irak mehrere Ölfelder. Das Al-Tanak-Ölfeld gehört zu den wichtigsten in Syrien. Die Terrormiliz hatte es Anfang Juli eingenommen. Die Einnahmen aus dem Ölschmuggel sind die Hauptfinanzierungsquelle der Dschihadisten. Laut Pentagon fließen so täglich umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro in die Kassen des IS.

Großbritannien schloss sich am Freitag dem internationalen Militärbündnis gegen die Terrormiliz IS im Irak an. Das Unterhaus gab der Regierung von Premierminister David Cameron mit großer Mehrheit grünes Licht für den Militäreinsatz. 524 stimmten für den Regierungsantrag, 43 stimmten dagegen. Das Mandat schließt den Einsatz von Bodentruppen aus. Ausgeklammert ist ebenso eine mögliche Beteiligung an Luftschlägen gegen den IS auf syrischem Boden. Cameron hatte bis zuletzt im Parlament für Zustimmung geworben: „Ich glaube, dass wir für dieses Engagement bereit sein müssen.“

Dänemark schickt Kampfjets

Dänemark kündigte am Freitag an, sieben F-16-Kampfjets in den Irak zu schicken. Seitens der irakischen Regierung liege eine entsprechende Anfrage vor, sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt am Freitag. Einen Einsatz in Syrien schloss sie aus. Das nötige Parlamentsvotum für die Entsendung der Kampfjets wird für kommende Woche erwartet. Auch Belgien und die Niederlande wollen mehrere Kampfjets entsenden.

Die USA und Frankreich relativierten am Freitag irakische Warnungen vor einem Terroranschlag in den beiden Ländern. Sie hätten keine Informationen über Anschlagspläne auf die U-Bahn in Paris oder New York, gaben die beiden Regierungen bekannt. Zuvor hatte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi in New York gesagt, er sei über ein Attentatsprojekt auf die U-Bahnen in Paris und New York durch ausländische Kämpfer des IS informiert worden. In den USA hob die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden, hervor: „Wir haben eine solche Verschwörung nicht bestätigt und müssten jede Information von Seiten unserer irakischen Partner prüfen, bevor wir uns äußern.“ In New York wurden die Sicherheitsvorkehrungen in der U-Bahn aber vorsichtshalber erhöht. Das französische Nationale Sicherheitssekretariat SGDSN, das dem Regierungschef unterstellt ist, äußerte sich ähnlich. Die französischen Geheimdienste hätten „derzeit keinen Hinweis“, der die Äußerungen des irakischen Ministerpräsidenten über die U-Bahn in Paris bestätigen würde. Der Beschluss vom Donnerstag zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen für öffentliche Plätze und Nahverkehrsmittel sei unabhängig davon und schon vorher gefallen.

Nach diesen Drohungen verschärfte das Auswärtige Amt in Berlin seine Sicherheitshinweise für Reisende rund um den Globus. Es sei nicht auszuschließen, dass westliche Ausländer auch im Ausland „Ziel terroristischer Gewaltakte, von Entführungen und von kriminellen Übergriffen“ durch IS-Sympathisanten werden könnten. Zu den betroffenen Ländern gehörten unter anderen Syrien, Jordanien, Israel, Iran, Libyen, Ägypten, Kenia sowie die Philippinen, Malaysia, Indonesien und Thailand.