SPD

Thüringens Trümmermänner

Andreas Bausewein und Matthias Hey sind die Hoffnungsträger der abgestürzten SPD

Natürlich handelt es sich um Ironie, wenn Matthias Hey sagt, er habe nun dieses Problem mit dem Direktmandat. Am Sonntag hatte er im Wahlkreis Gotha II das einzige Direktmandat der SPD in Thüringen errungen. Auf 38,5 Prozent bei den Erststimmen kam Hey – und war damit doppelt so stark wie seine Partei bei den Zweitstimmen. Viel größer kann die Diskrepanz zwischen persönlichem Vertrauen und politischem Misstrauen kaum sein.

Die Lage der Thüringer SPD ist desolat. Auf 12,4 Prozent ist die Partei abgestürzt, stellt im neuen Landtag in Erfurt nur noch zwölf Abgeordnete, bisher waren es 18. Der direkt gewählte Abgeordnete Hey dürfte alsbald in die Spitze der Fraktion rücken. Die Tage des bisherigen Fraktionsvorsitzenden, des blassen Werner Pidde, sind gezählt. Den SPD-Landesvorsitzenden Christoph Matschie soll der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (41) ablösen.

Das Bedürfnis nach sozialdemokratischen Hoffnungsträgern ist nunmehr so groß, dass Hey wie Bausewein klarstellen müssen, nicht in ein Kabinett zu wechseln – mit wem die SPD dies auch immer bilden wird, mit CDU oder Linker und Grünen. „Als Minister werde ich hier teilweise zwar schon gehandelt, aber ich war immer gern Mitglied dieser Fraktion und würde da sehr gern bleiben und weiterarbeiten“, sagt Hey. Mehr als drei Ressorts dürften die Sozialdemokraten wohl weder unter einer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) noch unter einem Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) erhalten. Am Donnerstag sollen die Sondierungsgespräche zwischen Linken, SPD und Grünen beginnen. Von „ein wenig Demut aus dem Wahlergebnis“ spricht der designierte Fraktionsvorsitzende Hey, indem er feststellt: „Als Zwölf-Prozent-Partei laden nicht wir ein, sondern wir werden eingeladen, und zwar von den größeren Parteien. Und wir werden natürlich dann die Einladungen von CDU und Linken annehmen.“ Was auch sonst?