Winterdienst

Wowereit bietet Klitschko Hilfe an

Berlin könnte der ukrainischen Hauptstadt Kiew Fahrzeuge für den Winterdienst liefern

In der Ukraine, sagt Vitali Klitschko, herrsche Krieg. Immerhin, endlich gebe es das Abkommen zu einem Waffenstillstand, es gelte schließlich der Satz: „Ein schlechter Frieden ist besser als ein guter Krieg.“ Klitschko, der Bürgermeister von Kiew, hat einige Sprüche und Sprichworte parat, während er am Freitagnachmittag Gast ist bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Die KAS steht bekanntermaßen der CDU nahe – und unterstützt Klitschkos Partei, die liberale Ukrainische demokratische Allianz für Reformen(Udar).

„Der europäische Weg der Ukraine“ – der Titel von Klitschkos Vortrag ist Programm. Doch bevor der 43-jährige ehemalige Profiboxer an das Rednerpult tritt, sagt er einige Sätze vor den Journalisten, antwortet auf Fragen. „Die Ukraine als moderne, europäische Demokratie ist unser Hauptziel“, Schritt für Schritt werde man eines Tages dieses Ziel erreichen. Die jüngst in Kraft getretenen neuerlichen Sanktionen der EU und USA gegen Russland begrüßt Klitschko auf Nachfrage – sie seien der richtige Weg, „so können wir die Aggressoren stoppen“. Ohne Waffen und Unterstützung aus Russland seien diese machtlos.

Die Sache mit dem Mauerbau

Das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU? Richtig sei diese Entscheidung, „wir sind dankbar für die Hilfe“. So wie die DDR vor 25 Jahren, also mit dem Beginn der Umwälzungen, Hilfe von der Bundesrepublik Deutschland erhalten habe, so brauche die Ukraine heute Unterstützung. Reformen, wirtschaftliches Wachstum, europäische Standards lauten Klitschkos Stichworte. Ziel sei es, Mitglied der EU zu werden. „Im November, Dezember 2013 sind Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Sie haben sich gewünscht nach Europa zu kommen, und sie sind müde von der Korruption.“ Polen, Slowakei, Tschechien nennt Klitschko, deren Weg seit 1989/90 möchte er mit der Ukraine ebenfalls gehen.

Ob er sich denn eine Unterstützung Deutschlands wünsche beim Bau einer Befestigungsanlage an der Grenze zu Russland, fragt ein Reporter Klitschko. Der verweigert zunächst eine Antwort, erst auf Nachfrage geht er darauf ein. Klitschko aber kennt die deutsche Geschichte gut genug, als dass er mit einem klaren Ja antwortet oder gar Hilfe bei einem „Mauerbau“ verlangt. Die angespannte Lage gehe von Russland aus, sagt er zunächst, und die Ukraine habe zum mächtigen Gegner im Osten „keine richtige Grenze“. Die Grenze indes müsse sicher sein, dafür benötige sein Land „auch die Unterstützung aller Freunde der Ukraine“. Und weiter: Die Ukraine sei geografisch ein europäisches Land, wolle dies auch vom Lebensstandard her werden. „Was auch immer die russische Propaganda sagt – wir haben nur den Wunsch nach Frieden, sicheren Arbeitsplätzen, einem normalen Lebensstandard.“

Freundlich wird Klitschko im Konferenzsaal der Adenauer-Stiftung begrüßt, deren Vorsitzender Hans-Gert Pöttering fasst sich erstaunlich kurz, verweist zur Begrüßung auf das 100-tägige Amtsjubiläum seines Gastes. „Der russische Präsident will unsere Souveränität nicht akzeptieren“, sagt Klitschko, der politische Weggefährte des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, der derzeit mit Wladimir Putin direkt verhandelt. Putin wolle nicht, „dass wir Freiheit und Demokratie durchsetzen“. Die Behauptung, die russischstämmige Bevölkerung in der Ukraine befinde sich in Gefahr, sei „nur Propaganda“. Als Sportler, der stets in den Westen hat reisen können, habe er die Propaganda gegen den Westen erlebt und entsprechend einschätzen können. „Eines Tages kommt die Wahrheit raus“, ist er überzeugt.

Während der Bürgermeister bedächtig argumentiert, wirken seine Mitarbeiter plötzlich unruhig. „Klitschko bittet um Hilfe bei Mauerbau“, meldet die Deutsche Presse-Agentur zu dieser Zeit, bezieht sich auf sein Statement vor dem Vortrag. So aber wollen sie ihren Chef nicht verstanden wissen. Kurze Tuscheleien auf der Bühne, mit Vitali Klitschko, mit dem Moderator, der nun den Gast danach fragt. Klitschko versteht die Frage zunächst nicht, sie wird wiederholt. „Durchlässig“ sei die ukrainisch-russische Grenze, antwortet Klitschko, die Rebellen bezögen ihre Waffen über jene Grenze. Eine sichere Grenze sei aber nicht dasselbe wie eine Mauer, betont Klitschko: „Deutschland hat eine negative Erfahrung mit der Mauer.“ So viel Klarstellung muss sein.

Am Freitagabend folgt der Besuch bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Im Roten Rathaus kündigt Wowereit an, dass Berlin Kiew weiterhin bei der Bewältigung städtischer Aufgaben helfen werde. „Insbesondere braucht Kiew Fahrzeuge für die Müllabfuhr, die Straßenreinigung und den Winterdienst“, sagt Wowereit. „Wir prüfen nun, in welchem Umfang Berlin hier helfen kann.“ Der Tag endet für Klitschko dann mit einer Ehrung: Er erhält den Potsdamer Medienpreis M100 für sein Engagement in seinem Heimatland.