Ukraine-Konflikt

Heftige Explosionen in ostukrainischer Hafenstadt Mariupol

Rebellen werfen Armee Verletzung der Feuerpause vor

Die Separatisten in der Ostukraine haben den Regierungseinheiten erneut einen Verstoß gegen die vereinbarte Feuerpause vorgeworfen. Stellungen nahe Mariupol seien unter Feuer genommen worden, teilten die Aufständischen am späten Sonnabendabend mit. Bewohner der strategisch wichtigen Hafenstadt am Asowschen Meer berichteten örtlichen Medien zufolge von Schüssen und Detonationen. Auch Journalisten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichteten, östlich der Hafenstadt seien Detonationen zu hören gewesen, zudem sei dichter Rauch aufgestiegen. Ein von Kiew-treuen Kämpfern gehaltener Kontrollposten stand offenbar in Flammen

Erst am Freitag hatten sich die Konfliktparteien auf eine Feuerpause geeinigt. Vertreter Kiews, Moskaus, der Separatisten und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) waren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk zusammengekommen, um den seit fünf Monaten andauernden Kampfhandlungen mit fast 2600 Toten ein Ende zu setzen. Die Konfliktparteien vereinbarten zudem einen Truppenabzug und einen Gefangenenaustausch.

Mariupol liegt am Asowschen Meer rund 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Separatisten hatten die Hafenstadt im Frühjahr unter ihre Kontrolle gebracht, doch wurde sie Mitte Juni von den Regierungstruppen wieder zurückerobert.

Die prowestliche Führung in Kiew hatte betont, die Waffenruhe einzuhalten. Auch Kremlchef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatten bei einem Telefonat insgesamt eine Besserung der Lage festgestellt.

Gefangene freigelassen

Die prorussischen Aufständischen begannen der Regierung zufolge am Sonnabend mit der Freilassung von Gefangenen. Mehrere Soldaten seien in der Nähe der Separatistenhochburg Lugansk übergeben worden, sagte Poroschenkos Sprecher Swjatoslaw Zegolko in Kiew.

Die prowestliche Führung der Ex-Sowjetrepublik will ihrerseits vermutlich an diesem Montag erste Gefangene freilassen. Die Aufständischen haben Schätzungen zufolge etwa 1000 Soldaten in ihrer Hand, die Regierungstruppen demnach etwa 200 moskautreue Kämpfer.

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten skeptisch auf den Waffenstillstand reagiert. Merkel brachte aber zugleich eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ins Spiel, falls „bestimmte Prozesse“ in Gang kämen. Moskau warf der Nato vor, sie nehme die Ukraine-Krise zum Vorwand, um ihre Militärstrukturen näher an die russischen Grenzen zu rücken.

Die Nato hatte am Freitag die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe beschlossen. Ihr sollen mehrere Tausend Soldaten angehören, die in Osteuropa stationiert und binnen weniger Tage eingesetzt werden können.