Gesundheit

Nahles will gegen Dauerstress im Job vorgehen

Angesichts von Fachkräftemangel und zunehmend hoher Arbeitsbelastung will die Bundesregierung für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit, Freizeit und Familie sorgen.

Eine Work-Life-Balance sei zunehmend schwieriger aufrechtzuerhalten, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Donnerstag in Berlin. Die Arbeitgeber wehren sich jedoch gegen Zwangsverordnungen, auch bei der Weiterbildung. Nahles bekräftigte ihre Ankündigung, Arbeitnehmer besser vor Stress im Job zu schützen. „Wir sind Weltmeister was Arbeitsmarkt-Flexibilität angeht“, sagte die SPD-Politikerin. Aber diese Flexibilität habe auch Kraft gekostet, vor allem die der Arbeitnehmer.

Nahles äußerte sich bei der Eröffnungsveranstaltung des zweitägigen Demografie-Kongresses. „Arbeitsorganisation ist eine Baustelle für die nächsten Jahre“, sagte die Arbeitsministerin. Besonders ältere Arbeitnehmer seien betroffen. Nahles plädierte für längere Regenerationsphasen, einen besseren Überstundenausgleich und eine stärkere Gesundheitsförderung, um Dauerstress vorzubeugen. „Viele Ältere würden länger bleiben, wenn sie nicht den gleichen Takt gehen müssten.“

Zudem forderte sie die Unternehmen auf, mehr Mitarbeiter zu Weiterbildungen zu schicken. „Wir haben einiges an traditionellen Klischees hinter uns gelassen“, sagte Nahles. Aber viele Firmen würden aus Angst, die Auftragslage nicht bewältigen zu können, auf Weiterbildungen für ihre Mitarbeiter verzichten, obwohl das sinnvoll sei. Sie wolle dazu mit den Sozialpartnern ins Gespräch kommen. Gerade mit Blick auf die älter werdende Belegschaft sei dies notwendig.

Der Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger, lehnte „Zwangsverordnungen“ ab. „Wir müssen auch international wettbewerbsfähig bleiben“, sagte Dulger. Die Arbeitnehmer müssten sich den Anforderungen einer globalisierten Arbeitswelt anpassen. Wer mit Kunden in Asien arbeite, müsse früher loslegen. Bei Geschäftsbeziehungen mit den USA verlagere sich die Arbeitszeit oft in den Abend. Das klassische Modell der Früh- und Spätzuschläge sei nicht mehr zeitgemäß.