Leitartikel

Eine Chance für Berlin

Christine Richter über die Olympia-Bewerbung Berlins

Weltstadt oder Hansestadt: Berlin geht gegen Hamburg ins Rennen um die Olympischen Spiele im Jahr 2024 oder 2028. Die Verantwortlichen beider Metropolen stellten am Montag ihre Bewerbungen vor, nun muss der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, mit welcher Stadt er sich im Jahr 2015 beim IOC zum die Austragung der Spiele bewerben will. Noch ist nichts entschieden.

In Berlin ist die Skepsis unter der Bevölkerung offensichtlich, so zeigen es jüngste Umfragen, ein bisschen größer als in Hamburg. Das hängt mit der Mentalität der Berliner, aber auch mit der Erfahrung der fehlgeschlagenen Olympia-Bewerbung für die Spiele im Jahr 2000 zusammen. Außerdem erklärt sich die Zurückhaltung aus dem BER-Desaster. Wer noch nicht einmal einen Flughafen bauen und eröffnen kann, kann der so ein Mammutprojekt wie Olympische Spiele überhaupt stemmen?

Die Skepsis ist verständlich, doch der BER hat nichts mit Olympischen Spielen zu tun. Und es ist richtig, dass sich Berlin nun um deren Austragung bewirbt – wer, wenn nicht Berlin ist für ein solches Großereignis gerüstet? Dass es sportliche Großveranstaltungen ausrichten kann, beweist Berlin jedes Jahr aufs Neue, die Infrastruktur ist mit Olympiastadion, Olympiapark, diversen Hallen wie dem Velodrom und der O2 World auch hervorragend. Natürlich muss in einige Sportanlagen noch investiert werden, Umbauten sind erforderlich, auch braucht man temporäre Bauten. Aber eine Stadt ganz neu zu entwickeln, wie es damals in Barcelona geschehen ist, das ist in Berlin nicht nötig. Und erinnern wir uns: Die deutschen Fußball-Weltmeister sind im Sommer nicht nach Frankfurt oder Hamburg gefahren, um sich feiern zu lassen – sondern nach Berlin.

Natürlich kostet eine Bewerbung und die Ausrichtung von Olympischen Spielen viel, viel Geld. Allein für die Sportanlagen werden rund 2,4 Milliarden Euro veranschlagt, sagte der scheidende Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Montag. Auch das wird nicht ausreichen, aber an all den Ausgaben muss sich dann auch die Bundesregierung beteiligen. Denn das ist klar: Wenn Berlin Olympische Spiele austragen soll, dann muss das ein Anliegen von ganz Deutschland sein. Und das letzte Wort, auch das betonten Wowereit und Sportsenator Frank Henkel (CDU) erneut, haben die Berliner. Sie werden in einem Bürgerentscheid über die Bewerbung um die Spiele entscheiden. Sagen sie Ja, ist das gut für Berlin. Und eine große Chance.