Personalien

Große Aufgaben für neues Team an der EU-Spitze

Merkel lobt Donald Tusk als leidenschaftlichen Europäer

Helle Thorning-Schmidt, 47, die dänische Ministerpräsidentin, hat ein eng sitzendes, rotes Festkleid angezogen, sie sieht blendend aus an diesem Abend. Aber es ist umsonst. Am Ende feiern andere. Die Sozialdemokratin aus Dänemark ist die große Verliererin beim Postenpoker um die EU-Top-Jobs in Brüssel. Die 28 Staats- und Regierungschefs wählten bei ihrem Sondergipfel am Sonnabend nämlich den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, 57, zum neuen EU-Ratspräsidenten.

Der Sozialdemokratin Thorning-Schmidt fehlte die Unterstützung der eigenen Partei. Nur Malta stärkte ihr den Rücken. „Sie hätte lieber mehr mit den europäischen Sozialisten reden sollen, als sich allein auf Angela Merkel zu verlassen“, ätzte ein ranghoher Sozialdemokrat. Aber dies ist nicht nur ein großer Abend für Tusk. Auch die italienische Sozialdemokratin Federica Mogherini, 41, strahlt. Sie hat einen gewaltigen Karrieresprung gemacht: Erst seit sechs Monaten als Außenministerin in Rom im Amt, machten die „Chefs“ sie nun zur EU-Chefdiplomatin. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der neue starke Mann unter Europas Sozialisten, hatte immer auf seiner Außenministerin als neue EU-Außenbeauftragte beharrt, er wackelte – trotz viel Gegenwind – zu keinem Zeitpunkt. Das reichte schon für Mogherini.

Tusk und Mogherini hüten sich an diesem Abend, politische Statements abzugeben. Sie sind Novizen, noch sind die alten Amtsinhaber van Rompuy und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton für ein paar Monate an Deck. Tusk, den Kanzlerin Angela Merkel als „leidenschaftlichen, überzeugten und überzeugenden Europäer“ beschreibt, spricht auf Polnisch. Seine Kenntnisse der englischen und französischen Sprache sind schlecht. „Ich werde mein Englisch auf Vordermann bringen, im Dezember, wenn es soweit ist, bin ich hundert Prozent startklar.“ Dann folgt ein kurzer Exkurs in die Wirtschaftspolitik. „Finanzdisziplin und Wachstum müssen sich nicht ausschließen.“ Über die Ukraine-Krise sagt der Pole: „Wir können der Ukraine nur dann helfen, wenn wir eine gemeinsame Sicht der Dinge haben. Wir müssen mutig sein und verantwortungsvoll.“ Jeder soll sich wohlfühlen – das ist Tusks Devise an diesem Abend. Zum Thema Ukraine fügt Mogherini hinzu: „Wir wissen alle, dass der militärische Weg keine Lösung der Krise bringen kann.“