Gespräch

„Ich muss auch mal nach Hause“

Bundeskanzlerin Angela Merkel erzählt im Berliner Ensemble von ihrem Alltag

Manchmal muss sogar eine Kanzlerin Feierabend machen. Angela Merkel mag es, am Sonnabend um 16 Uhr das Kanzleramt zu verlassen – wenn der Terminplan es zulässt. Manchmal sagt dann jemand aus ihrer Umgebung, die Kanzlerin müsse zum nächsten Termin. Dann sagt Merkel: „Nein, ich muss auch mal nach Hause.“

So erzählt es die Kanzlerin im Gespräch mit den Cicero-Journalisten Christoph Schwennicke und Frank A. Meyer im Berliner Ensemble. Doch natürlich ging es auch um Politik – vor allem um ihren Regierungsstil. Angela Merkel, 60, ist bekannt für langes Zögern, für Zaudern gar, bevor sie sich klar positioniert und eine Entscheidung fällt. Jüngstes Beispiel ist das Ringen um eine Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik. Seit Monaten sprechen Bundespräsident Joachim Gauck, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen darüber, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müsse. Von der Kanzlerin war dazu bisher eher wenig zu hören. Im ausverkauften Berliner Ensemble liefert sie eine simple Erklärung: „Wenn ich nicht fertig gedacht habe, kann ich nicht entscheiden.“ Dafür gibt es Beifall.

Wie oft bei solchen öffentlichen Auftritten gewinnt Merkel das Publikum mit persönlichen, menschlichen und weniger politischen Äußerungen. Man müsse in der Politik erst einmal den eigenen Rhythmus finden und sich nicht dauernd von außen sagen lassen, wie schnell man eine fundierte und sachgerechte Antwort zu finden habe, sagt sie. „Abgewogene Entscheidungen halten länger und sind sehr viel robuster.“

Wie sie die gestiegene Bedeutung Deutschlands und die Erwartungen aushalte, wird Merkel gefragt. „Wir sollten unsere Rolle jetzt hier nicht erhöhen“, versucht sie, die Tragweite herunterzuspielen. Die Bemerkung, sie sei die mächtigste Frau der Welt, pariert sie so: Es seien ja nicht viele Frauen in Verantwortung. Und: „Es gibt aber viele mächtige Männer.“

Die letzte Frage geht an eine Frau aus dem Publikum. Was Merkel zur Regeneration tue: „Machen Sie Yoga oder meditieren Sie?“ Nein, sagt Merkel. Sie bemühe sich um Phasen, „das viele, was ich erlebe, auch zu verarbeiten“.