Militär

Die Ukraine führt russische Soldaten vor

Gipfeltreffen in Minsk konnte die Gefechte nicht stoppen

Angesichts der anhaltenden Kämpfe im Osten der Ukraine hat die Bundesregierung Russland erneut gedrängt, Waffenlieferungen an die prorussischen Separatisten zu stoppen. Der Strom von Waffen und Kämpfern über die Grenze sei ein „Unding, ein schlimmer Zustand, der zur permanenten Eskalation beiträgt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. „Es ist überfällig, dass diese Grenze endlich geschützt wird, dass jede Art von militärischer Unterstützung der Separatisten über diese Grenze eingestellt wird.“

Seibert sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe am Mittwoch erneut am Telefon mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko über den Konflikt beraten. Es bestehe Einigkeit, „dass ein wirksamer beidseitiger Waffenstillstand voraussetzt, dass auch Russland seinen Beitrag zur Deeskalation leistet und dass eine Vereinbarung zur Grenzsicherung abgeschlossen wird“.

Trotz zahlreicher Hinweise auf eine Präsenz russischer Soldaten und Militärfahrzeuge im Osten der Ukraine, bestreitet Moskau seit Monaten, die Separatisten zu unterstützen. Erst am Mittwoch meldete Kiew aber, dass eine weitere russische Militärkolonne von rund hundert Panzern, Truppentransportern und Grad-Raketenwerfern die Grenze überquert habe. Am Montag hatte Kiew bereits vom Vordringen eines Konvois nahe der südlichen Küstenstadt Nowoasowsk berichtet. Wie Augenzeugen am Mittwoch berichteten, übernehmen im Dorf Starobeschew prorussische Rebellen große Mengen Munition und zahlreiche Militärfahrzeuge, die offenbar von der ukrainischen Armee bei ihrem überstürzten Abzug zurückgelassen wurden.

Die Regierung in Kiew hat auf ukrainischem Territorium festgenommene russische Soldaten bei einer „Pressekonferenz“ vorgeführt. Sichtlich eingeschüchtert sagte einer der Gefangenen: „Wir sind uns bewusst, dass alles in Wirklichkeit nicht so ist, wie es das russische Fernsehen zeigt.“ Ihm sei nun erklärt worden, dass die Ukraine von russischem Boden aus beschossen werde. „Wenn tatsächlich die russischen Streitkräfte schießen, dann kann ich nur um eines bitten: Jungs, das ist nicht nötig. Diesen Krieg brauchen wir nicht“, so der russische Soldat. Das ukrainische Militär hatte die Fallschirmjäger nach eigenen Angaben etwa 20 Kilometer im Landesinneren festgenommen – kurz vor einem Krisentreffen zwischen den Präsidenten Petro Poroschenko und Wladimir Putin in Minsk am Dienstag. Putin bestätigte, dass russische Soldaten bei einer Patrouille auf ukrainisches Gebiet gelangt seien. Auch die Soldaten räumten ein, sie hätten nicht bemerkt, die russisch-ukrainische Grenze überschritten zu haben.