Krieg

Syrien ruft zum Kampf gegen den IS auf

USA erwägen Kooperation mit Damaskus. Islamisten richten 670 irakische Gefangene hin

Bis zu 670 irakische Gefängnisinsassen der Haftanstalt Badush in Mossul sind im Juni von den Radikalislamisten des Islamischen Staates (IS) hingerichtet worden. Das berichten die Vereinten Nationen unter Berufung auf Zeugenaussagen. Mossul ist trotz einiger militärischer Rückschläge in jüngster Zeit noch immer fest in der Hand des IS. Hunderttausende haben aus Furcht vor dem Terrorregime die nordirakische Stadt verlassen, Informationen darüber, wie der IS seine archaischen Gesetze durchzusetzen versucht, dringen nur sporadisch nach außen.

Die Zeugen hätten von einem regelrechten „Massaker“ gesprochen, berichtet das UN-Büro für Menschenrechte. Die UN-Menschenrechtsbeauftragte Navi Pillay aus Südafrika verurteilte die „entsetzlichen und um sich greifenden“ Verbrechen des IS, einschließlich der Hinrichtungen, Versklavung, der Sexualverbrechen und des gezielten Tötens von Menschen mit anderen ethnischen oder religiösen Hintergründen. IS-Dschihadisten haben Zeugen zufolge am 10. Juni die Gefangenen mit Lastkraftwagen zu einer großen Freifläche zusammengetrieben und gezielt nach Nicht-Sunniten gesucht, um diese hinzurichten.

IS erringt seine militärischen Erfolge inzwischen wieder in Syrien, nachdem im Nordirak die Gegenwehr der kurdischen Milizionäre im Verbund mit US-Kampfjets und irakischen Elitetruppen zu stark geworden ist. Zuletzt eroberten die Dschihadisten den wichtigen Luftwaffenstützpunkt al-Tabka in Ostsyrien.

Syrien scheint durch den gemeinsamen Feind IS wieder hoffähig zu werden – gewissermaßen als das kleinere Übel. Damaskus traut sich inzwischen sogar wieder, zum gemeinsamen Kampf gegen den IS aufzurufen. Die Regierung in Damaskus sei bereit, international und regional mit anderen Kräften zu kooperieren, um den Terror des IS zu bekämpfen. Damaskus behalte sich aber das alleinige Entscheidungsrecht vor, was auf syrischem Boden geschehe, sagte Außenminister Walid al-Muallem. Die angebotene Kooperation schließe auch Großbritannien und die USA ein. Wegen der Rückzugsmöglichkeiten des IS nach Syrien denken die USA mittlerweile darüber nach, IS-Stellungen auch in Syrien aus der Luft anzugreifen.