Verbraucher

Minister kritisiert Konsumverhalten in Deutschland

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) hat angesichts von Hunger und Elend in der Welt das Konsumverhalten der Deutschen scharf kritisiert.

„Ich empfinde es als Sünde, dass ein Viertel unserer Lebensmittel im Abfall landet“, sagte Müller der „Mitteldeutschen Zeitung“. Die Geiz-ist-geil-Mentalität der Deutschen bei Nahrungsmitteln sei fatal: „Lebensmittel sind in Deutschland unterbewertet. Sie werden verschleudert und als Lockmittel von den Handelskonzernen eingesetzt.“

Als problematisch bezeichnet der Entwicklungshilfeminister auch die Ausbeutung von Näherinnen in Asien. In Deutschland koste etwa ein Bundesligatrikot 50 bis 70 Euro, eine Näherin in Bangladesch bekomme aber nur 15 Cent davon. „Das ist ein Hunger-, ja, ein Sklavenlohn, von dem sie nicht leben kann. Was muten wir eigentlich anderen in anderen Teilen der Welt zu, um gut leben zu können?“, fragte Müller.

Müller begrüßte außerdem die von einer UN-Arbeitsgruppe vorgeschlagenen globalen Nachhaltigkeitsziele. „Die Weltgemeinschaft muss sich bis Ende 2015 auf verbindliche Ziele verpflichten, die die Millenniumsziele fortführen und zugleich Nachhaltigkeit zum Maßstab allen Handels machen“, sagte Müller. „Wir brauchen eine neue Balance des wirtschaftlichen Handelns im Einklang mit der Natur.“ Notwendig sei eine weltweite Charta für nachhaltiges Wirtschaften.

Müller sagte, der Klimawandel entwickle sich zur Überlebensfrage der Menschheit. „Wir werden global nur erfolgreich sein, wenn wir die Bekämpfung von Hunger, Armut und Krankheiten und eine nachhaltige Entwicklung zu einer einzigen Agenda zusammenführen.“ Soziale, ökonomische und ökologische Fragen müssten als Einheit betrachtet werden. Er forderte dazu auf, sich im Internet oder auf Veranstaltungen an einem gesellschaftlichen Dialog über eine Zukunftscharta zu beteiligen. Daraus sollten Beiträge für die deutsche Position zur globalen Agenda nach 2015 entstehen.