Nahost-Konflikt

Israel will Hamas auch im Ausland jagen

Islamisten-Chef Maschaal gibt Ermordung der drei israelischen Jugendlichen zu. Vierjähriger stirbt bei Raketenangriff auf Kibbuz

Der Gaza-Konflikt eskaliert erneut. Am Wochenende zerstörten israelische Kampfflugzeuge mehrere Gebäude im Gaza-Streifen, darunter ein zwölfstöckiges Hochhaus. Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Militärangaben mit Raketen und Mörsergranaten nach Südisrael. Auch aus Syrien wurde das Land beschossen. Gleich zu Beginn der Sondersitzung des israelischen Kabinetts am Sonntag in Tel Aviv stellte Premier Benjamin Netanjahu klar: „Die Operation ‚Protective Edge‘ wird erst enden, wenn ihre Ziele erreicht wurden – auch wenn dies einige Zeit kosten kann.“

Gezielte Angriffe

Auch Finanzminister Yair Lapid ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit Israels. Er drohte mit gezielten Angriffen auf die politische Führung der radikalislamischen Hamas auch im Ausland. „Die ranghohen Hamas-Funktionäre müssen wissen, dass wir sie jagen und fassen, und dass sie den Preis dafür zahlen werden, was sie im Süden Israels anrichten“, sagte Lapid. „Niemand ist gefeit – nicht die politische Führung und nicht die Exilführung.“

Am Sonnabend hatte erstmals ein Mitglied der Hamas-Führung zugegeben, dass Angehörige der Organisation an der Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen Mitte Juni beteiligt waren. Exil-Chef Khaled Maschaal sagte „Yahoo News“, die politische Hamas-Führung habe „vorab nichts von der Tat gewusst, die diese Gruppe von Hamas-Mitgliedern begangen hat“. Ranghohe Hamas-Mitglieder hätten erst durch die israelischen Ermittlungen von dem Verbrechen erfahren. „Aber wir verstehen, dass die Menschen unter der Besatzung und Unterdrückung frustriert sind und alles Mögliche unternehmen“, sagte Maschaal.

Noch vor der Kabinettssitzung rief Netanjahu die Bewohner des Gazastreifens dringend auf, die Gebäude und Straßen zu verlassen, aus denen die Hamas angreife. Während der Sitzung betonte Netanjahu dann, dass die Operation „Protective Edge“ (zu Dt. Schutzlinie) auch nach dem Schulbeginn am 1. September fortgeführt wird. Ein Ende sei erst möglich, wenn alle Israelis in Sicherheit leben könnten. Zudem hob er erneut die Parallele zwischen der Hamas und der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hervor.

Bereits am Vortag hatte Netanjahu angekündigt, den Ton zu verschärfen, nachdem am Freitag der vierjährige Daniel Tragermann im Kibbuz Nahal Oz durch einen Raketenangriff ums Leben gekommen war. „Das Militär und der Geheimdienst werden jetzt noch härter durchgreifen, bis das Ziel der Operation erreicht ist“, so der Premier.

Ägypten hat dennoch auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche gepocht und die Kriegsparteien erneut nach Kairo eingeladen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat einer Rückkehr an den Verhandlungstisch bereits zugestimmt. Ebenfalls neu ist der Vorschlag aus Ägypten, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzurufen. Beide Seiten waren in der Vergangenheit stets darauf bedacht, die Konflikte in der Region nicht nach Den Haag zu tragen. Israel hat sich dazu noch nicht geäußert, die Palästinenser erwägen aber einen solchen Schritt. Der Preis könnte aus mehreren Gründen hoch sein. Die Einschaltung des IStGH würde das gerade verbesserte Verhältnis zwischen Abbas und Israel verschlechtern. Außerdem würden bei einer solchen Untersuchung sämtliche Raketenangriffe aus Gaza bis zum Jahr 2000 miteinbezogen. Auf israelischer Seite würde auch der Siedlungsbau im Westjordanland in den Blickpunkt geraten. Eine Untersuchung in Den Haag kann aber überhaupt nur beginnen, wenn beide Länder Mitglieder sind.

Demonstration der Stärke

Innerhalb des Gazastreifens spitzt sich die Situation ebenfalls weiter zu. Als Demonstration ihrer Stärke hat die Hamas öffentlich 25 mutmaßliche Informanten exekutiert. Außerdem muss sich Organisation neu aufstellen, nachdem Israel mehrere Kommandeure getötet hat. Bereits am Sontag Israel einen angeblichen Finanzleiter der Hamas gezielt getötet. Die israelische Armee teilte mit, Mohammed al-Ghul sei für die Überweisung von Geldern für Terrorzwecke zuständig gewesen.

Die Israelis vermuten, dass die Hamas neue Abhörmethoden verfügen und die so erlangten Informationen militärisch punktgenau auswerten. So soll sich in dem Kibbuz, in dem der Vierjährige bei einem Raketenbeschuss getötet wurde, gerade der israelische Generalleutnant Benny Gantz iaufgehalten haben. Auch am Sonnabend wurden während einer Visite des Kommandeurs der Bodentruppen, Sami Turgeman, in einem Kibbuz nahe Gaza gezielte Raketen abgefeuert.