Ukraine-Konflikt

Was passiert in der Ostukraine wirklich?

Hat die ukrainische Armee den russischen Konvoi angegriffen?

In der Nacht zu Freitag wollen zwei britische Reporter von den Zeitungen „Guardian“ und „Telegraph“ beobachtet haben, wie Panzerfahrzeuge von der russischen auf die ukrainische Seite der Grenze gefahren sind. Sie wurden dabei nicht aufgehalten, weil rund 100 Kilometer der Grenze inzwischen von den Separatisten in der Ostukraine kontrolliert werden. Schon früher hatte es Hinweise darauf gegeben, dass die Separatisten über diesen Weg mit Nachschub von Kämpfern und Waffen versorgt werden. Die ukrainische Armee meldete später am Freitag, einen Teil der gepanzerten Fahrzeugen zerstört zu haben. Auf der Internetseite des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko hieß es unter Bezug auf sein Telefonat mit dem britischen Premier David Cameron: „Der Präsident teilte mit, dass diese Information zuverlässig und bestätigt ist, weil ein Großteil dieser Technik in der Nacht von der ukrainischen Artillerie zerstört wurde.“ Andere offizielle Quellen, die den militärischen Zwischenfall bestätigen, gibt es nicht. Auffälligerweise existieren auch keine Bilder der zerstörten Militärkolonne. Es bleibt auch weiter unklar, ob es sich tatsächlich um die gepanzerten Fahrzeuge handelte, die zuvor von den britischen Reportern beobachtet worden waren. In früheren Fällen, wenn die ukrainische Armee behauptete, Ausrüstung der Separatisten zerstört zu haben, legte sie dafür Beweise vor.

Was steckt hinter dem Hilfskonvoi aus Russland?

Russland schickte 280 weiße Lastwagen als Teil einer „humanitären Mission“ an die ukrainische Grenze, ohne dies vorab mit der ukrainischen Regierung oder mit dem Roten Kreuz abgesprochen zu haben. Kiew befürchtete bislang, dass Russland in dem Konvoi Waffen für die Regierungsgegner in die Ostukraine schmuggeln könnte, und bestand deshalb auf einer Inspektion. Inzwischen sind die Lastwagen vom Roten Kreuz durchsucht worden. Statt Waffen fand man tatsächlich Decken und andere Hilfsgüter, woraufhin Kiew grünes Licht gab.

Bekommen die Separatisten russische Militärunterstützung?

Am Sonnabend strahlte der Separatisten-Sender „Noworossija“ ein Video aus, in dem der neue „Premierminister“ der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“, Alexander Sachartschenko, zu seinen Anhängern spricht. Er vermeldet dort die angebliche Zerstörung von 70 Panzerfahrzeugen der ukrainischen Armee. Später berichtet er von einer weiteren „freudigen Nachricht“. Man habe die Unterstützung von 1200 neuen Kämpfern erhalten, die mehrere Monate lang in Russland ausgebildet worden seien. Zudem verfüge man nun über 30 Panzer und 120 Schützenpanzer. Es ist nicht möglich, den Wahrheitsgehalt der Aussagen der Rebellen zu überprüfen. In einem Interview hatte Separatistenanführer Alexander Chodakowski eingeräumt, er habe vor dem Absturz der Passagiermaschine MH17 von einem Flugabwehrsystem des Typs Buk gewusst, das von Lugansk nach Donezk transportiert worden sei. Später zog er seine Aussagen zurück. Im Juli sagte der russische Politologe Sergej Kurginjan, dass Russland „militärisch-technische Hilfe“ an die Separatisten liefere. Russland betonte stets, dass es keine Waffen in die Ostukraine liefere.