Familie

„Befristete Jobs wirken wie die Antibabypille“

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht in der steigenden Zahl von zeitlich befristeten Arbeitsverträgen eine Mitursache für die niedrige Geburtenrate in Deutschland.

„Befristete Jobs wirken wie die Antibabypille“, sagte Schwesig dem Magazin „Focus“. Viele junge Paare mit Kinderwunsch erlebten heute eine massive Unsicherheit in der Arbeitswelt. Mehr als jeder zweite neu abgeschlossene Arbeitsvertrag sei befristet. Schwesig: „Da fehlt vielen Paaren die Planungssicherheit.“

Schwesig kritisierte zudem, dass noch immer Ganztagsplätze zur Betreuung von Schulkindern fehlten. „Mir erzählen viele Eltern, wie dankbar sie für den Kitaplatz waren. Aber wenn ihr Kind dann in die Schule kommt, macht die oft am Mittag dicht.“ Die Länder sollten deshalb Mittel, die mit Übernahme der BAföG-Kosten durch den Bund frei werden, auch in den Ausbau von Ganztagsschulen investieren.

An ihrem politischen Ziel einer „Familienarbeitszeit“ von etwa 32 Stunden pro Elternteil und einem Lohnausgleich hält Schwesig fest. Mütter arbeiteten im Schnitt nur 19 Stunden in der Woche, Väter seien dagegen zu 96 Prozent in Vollzeit. „Sie wollen oft weniger arbeiten, die Mütter meist mehr. Diese Rushhour des Lebens müssen wir entstressen.“ Der Gesellschaft sollte es etwas wert sein, dass junge Paare arbeiten und Kinder erziehen. „Sie zahlen doppelt in unsere Sozialsysteme ein.“

Gleichzeitig kündigte die Ministerin Initiativen an, damit Mütter wieder leichter von Teilzeit- auf Vollzeitstellen wechseln könnten. „Meist sind gerade diejenigen, die sich neben ihrer Arbeit noch um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern, wahre Organisationstalente.“ Sie dürften nicht ins Abseits gestellt werden. Bei einem ersten Vorstoß Schwesigs Anfang des Jahres für eine „Familienarbeitszeit“ hatte Regierungssprecher Steffen Seibert deutlich gemacht, dass dies kein Vorhaben der Koalition bis 2017 sei.