Sicherheit

Neues Angriffsziel Glasfaserleitung

Anschlag setzte Teile Berlins offline. Er zeigt, wie anfällig das Netzsystem ist

Plötzlich ging nichts mehr. In der Nacht waren die Einbrecher in einen Kabelschacht in Charlottenburg eingestiegen. Dort kappten sie die dünnen Glasfaserkabel. 160.000 Haushalte in mehreren Bezirken waren am vergangenen Wochenende bis zu 14 Stunden offline, ohne Internet, Telefon, Fernsehen. Glasfaserkabel werden zu Lebensadern der Moderne. Die Zahl der Privathaushalte ohne Internet schrumpft auf ein Minimum. Ein stabiler und schneller Anschluss ist für Unternehmen mittlerweile unerlässlich.

Das Heikle daran: Mit dieser Gefahr wird man leben müssen. Kabelnetzbetreiber können ihre Infrastruktur nicht in vollem Umfang schützen. „Mit entsprechend hoher krimineller Energie lassen sich auch die besten Schutzmaßnahmen außer Kraft setzen“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Telekom auf Anfrage. Bei Vodafone heißt es, „absoluter Schutz vor mutwilliger Beschädigung“ sei bei einem Netz, das 400.000 Kilometer umfasst, „nicht möglich“. Kabel Deutschland vertritt dieselbe Meinung. Und aus hochrangigen Sicherheitskreisen hört man, das Kabelnetz bleibe weiterhin ein potenzielles Angriffsziel.

Der Berliner Vorfall besitzt eine besondere Brisanz. Weil eine politische Motivation der Täter nicht ausgeschlossen werden kann, ermittelt der Staatsschutz. Ein Bekennerschreiben ist bislang aber nicht aufgetaucht – anders als bei einem Vorfall, der schon ein paar Jahre zurückliegt. Im Mai 2011 traf ein gezielter Brandanschlag die Berliner Bahn. Betroffen waren nicht nur der Nah- und Fernverkehr, sondern auch Kunden von Vodafone, die erst einmal nicht mehr telefonieren konnten. Am Tatort fanden Polizisten erste Hinweise auf einen politisch motivierten Anschlag. Im Internet tauchte schließlich ein Schreiben auf, das als authentisch eingestuft wurde. Der Fall wurde dennoch nicht aufgeklärt. Unerkannt blieben die Täter auch, als im vergangenen Jahr in Berlin-Adlershof ein Anschlag auf einen Vodafone-Funkmast verübt wurde.

Der Kabelnetzbetreiber hat in den vergangenen Jahren stetig seine Schutzmaßnahmen erhöht. Die Zugänge zu den Glasfasern werden beispielsweise mit schweren Schlössern und Türen gesichert. Videokameras überwachen verschiedene Standorte. Insgesamt versuchen die Betreiber, dass nicht zu viele Details über das Kabelnetz und besondere Standorte an die Öffentlichkeit gelangen – und sie verlegen vielfach verzweigte Kabelwege, damit die Daten auch bei punktuellen Störungen „relevante Einrichtungen“ über eine andere Route erreichen können, wie die Telekom mitteilt.

Unterstützung erhält die Wirtschaft aus der Politik. „Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, den Schutz kritischer Infrastrukturen stetig zu verbessern, und unterstützt dabei die Betreiber“, sagt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.