Falschmeldungen

Twitter-Account des russischen Premiers geknackt

Hacker meldeten sogar den Rücktritt Dmitri Medwedjews

Der russische Präsident Wladimir Putin gilt als technophob. Er besitzt keine Accounts bei sozialen Netzwerken und kein Mobiltelefon. Der Regierungschef Dmitri Medwedjew ist dagegen ein großer Fan von neuen Technologien, Apple-Produkten und sozialen Netzwerken. Er hat Seiten bei Facebook und seiner russischen Kopie Vkontakte und postet schon mal ein Selfie bei Instagram.

Seinen Account beim Kurznachrichtendienst Twitter öffnete er vor vier Jahren beim Besuch in der Firmenzentrale in Silicon Valley. An diesem Donnerstagmorgen erschienen plötzlich seltsame Nachrichten auf Medwedjews Twitter-Account. „Ich trete zurück. Ich schäme mich für die Handlungen der Regierung. Entschuldigung“, lautete sein erster Tweet am Donnerstag. „Ich werde doch ein freier Fotograf!“ erklärte der Account später. Es folgten Retweets mit Links auf regierungskritische Artikel. Der Pressedienst der russischer Regierung erklärte, dass der Account gehackt worden sei, konnte aber offenbar das Problem lange nicht in Griff kriegen.

Kommentare zur russischen Politik

Die Hacker unterhielten das Publikum weiter im Namen von Medwedjew. „#DieKrimgehörtnichtuns Bitte retweeten“, hieß es auf einmal in Anspielung auf das patriotische Motto „Die Krim gehört uns.“ Der reale Medwedjew befand sich auf der Halbinsel, wo Putin am Donnerstag eine Rede vor russischen Abgeordneten hielt. „Glaubt Ihr, in Jalta wird heute etwas Wichtiges gesagt? Ich habe Zweifel. Ich sitze hier selbst und denke, wozu, zum Teufel?“ hieß es in seinem Account dazu. Dann wurde ein Appell an Putin gepostet: „Das wollte ich schon lange sagen. Wowa! Du hast nicht recht!“ Es folgten Kommentare zur russischen Politik. „Wir können zu den 80-ern zurückkehren. Das ist traurig. Wenn das das Ziel meiner Kollegen im Kreml ist, dann wird es bald erreicht.“ Und „Russische Bürger müssen nicht darunter leiden, dass ihre politische Leitung keinen gesunden Menschenverstand hat.“ Später twitterte der gehackte Account: „Wir denken doch darüber nach, den Strom zu verbieten. So ist es sicherer.“

Offenbar sind die Hacker von der Seite „Schaltaj Boltaj“ (russisch für Humpty Dumpty) für die falschen Meldungen im Twitter-Account von Medwedjew verantwortlich. Die Gruppe erklärte bei Twitter, dass sie Inhalte von drei iPhones und mehreren Mail-Accounts „eines gewissen Premierministers“ habe und bald veröffentlichen werde.

Nach mehr als einer Stunde wurden alle fremden Tweets gelöscht und sind nicht mehr zu sehen. Eine der letzten Retweets durch Hacker war eine Meldung des Nutzers @unkn0wnerror: „Überall auf der Welt schreibt man bei gehackten Politiker-Accounts Unsinn. Nur bei uns schreibt man die Wahrheit, auf die alle so lange warteten.“