Personalien

Erdogan sucht einen Nachfolger als Chef der türkischen AKP

Die AKP war bislang eine Führerpartei, mit Erdogan als alleinigem und unangefochtenem Herrscher.

Die Regierung war eine Führerregierung, da konnte nichts Wichtiges ohne ihn entschieden werden. Jetzt wird es – zumindest formal – ohne ihn gehen müssen. Erdogan kann es nicht mehr selbst sein, da er als Staatspräsiden mit relativ wenig formaler Macht auskommen und (theoretisch) über den Dingen stehen muss.

Es gibt nur zwei Lösungen: Einen Niemand auf beide Posten setzen, der ihm ergeben ist. Dann aber fehlt eine starke direkte Hand in der Partei und vor allem bei den im nächsten Jahr anstehenden Parlamentswahlen ein ansprechender Spitzenkandidat. Oder aber er gibt der Partei einen starken Führer und dem Land einen kompetenten Ministerpräsidenten. Dann läuft er aber Gefahr, dass dieser auch tatsächlich regieren will. In den letzten Jahren hatte Erdogan mit harter Hand viele Liberale, Anhänger des in Amerika lebenden Predigers Fetullah Gülen und auch Anhänger des bisherigen Staatspräsidenten Abdullah Gül aus den Reihen der Abgeordneten ausgesiebt.

Wer aber wird es? Im Gespräch ist vor allem Außenminister Ahmet Davutoğlu, der so ziemlich jede Entwicklung der letzten Jahre im Nahen Osten nicht kommen sah. Sein folgenschwerster Fehler war sicher seine Syrienpolitik, die zur Genese der sunnitischen Terrorarmee „Islamischer Staat“ führte. Er ist insofern ideal, als er zwar nach außen hin eine Autoritätsperson ist, aber ein Akademiker, kein Vollblut-Parteipolitiker. Er kann Erdogan nicht zur Gefahr werden, teilt aber dessen Vision, dass die Türkei „Lebensraum“ im Osten braucht. Ansonsten ist auch Bülent Arınç im Gespräch, der im Sommer mit der Forderung in die Medien gelangte, dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht laut lachen dürften.