SPD

Gabriel blockiert Veröffentlichung von Buch über sich

Das schwarz-weiße Cover ist fertig: Sigmar Gabriel blickt nachdenklich in die Kamera, unter dem Konterfei des SPD-Chefs prangt der Titel: „Zweieinhalb Leben – Sigmar Gabriel“.

In dem geplanten Interview-Buch mit dem „Zeit“-Journalisten Bernd Ulrich wollte der SPD-Chef Einblicke in sein Seelenleben geben. Das Manuskript ist in großen Teilen fertig, doch Gabriel blockiert die Veröffentlichung. Der Erscheinungstermin sei „offen“, heißt es beim Verlag Kiepenheuer & Witsch. Ob das Werk je erscheinen wird, scheint fraglich. Warum blockiert Gabriel die Veröffentlichung?

Gabriel gibt gewöhnlich wenig Privates von sich preis. Doch im Januar 2013 war in der „Zeit“ ein Aufsehen erregendes Porträt erschienen, in dem er über seinen Vater sprach, wie er – getrennt von der Mutter – von diesem geprügelt wurde und wie er unter dessen Tyrannei und dem Sorgerechtsstreit seiner Eltern litt. Gabriel berichtete von dem Schock, als er mit 18 Jahren von der NS-Gesinnung seines Vaters erfuhr. Er schilderte, dass er als Jugendlicher „eine ganze Reihe von Lern- und Verhaltensstörungen“ entwickelte und bis heute unter „Selbstzweifeln“ leide. Die Vorbehalte gegen sich selbst seien mitverantwortlich dafür gewesen, nicht die Kanzlerkandidatur übernommen zu haben.

Aus dem Artikel entstand die Idee für ein Buch: Was ist Politik für einen Menschen mit dieser Vergangenheit? Auch um die SPD sollte es gehen: Was kann ihr Vorsitzender zu ihrer Zukunft beitragen? Nun liegt das Projekt auf Eis. Mancher in der SPD mutmaßt, Gabriel wolle über so heikle Themen noch einmal nachdenken. Ein anderer glaubt, Gabriel könne ein Buch, in dem es um die Krise der SPD geht, jetzt nicht gebrauchen. Der Parteichef verordnet der Partei gerade einen Kursschwenk von Links in die Mitte. Doch könnte er nicht gerade dann Akzente setzen? Der einzige, der eine Antwort auf diese Fragen geben könnte, ist Gabriel selbst. Doch von ihm heißt es nur: „Kein Kommentar.“