Die Linke

„Recht auf Urlaub“ findet viele Anhänger

Großes Echo auf den Vorstoß der Linken-Chefin Katja Kipping

Mitten in der Ferienzeit kommt der Vorstoß der Linkspartei termingerecht: Parteichefin Katja Kipping fordert im Interview der Berliner Morgenpost ein Grundrecht auf Urlaubsreisen. Jeder Fünfte in Deutschland leiste sich keine Ferienreise, rechnete Kipping vor – und das ausgerechnet in einem Land, das mit seinen Sozialleistungen europaweit in der Spitzengruppe liegt und immer noch als Reiseweltmeister gilt. Die 36-Jährige sprach sich dafür aus, Urlaubsgutscheine auszustellen. „Alle Menschen mit niedrigem Einkommen, also Sozialleistungs- und Wohngeldberechtigte, sollten Gutscheine erhalten, die sie für Urlaubsreisen einlösen können“, sagte sie. „Entweder in Jugendherbergen, bei der Bahn für Fahrkarten oder im Reisebüro.“ Eine Summe von 500 Euro pro Jahr hält sie dabei für angemessen. „Kindern sollten wir grundsätzlich anbieten, zwei Wochen kostenfrei Urlaub im Ferienlager oder in Ferienfreizeiten zu machen.“

Mit ihrer Grundidee trifft Kipping auf breite Unterstützung. Vor allem, dass Kinder aus bedürftigen Familien immer noch viel zu selten oder überhaupt nicht in die Ferien fahren können, beschäftigt neben den Sozialverbänden auch Familienpolitiker von CDU und den Grünen. Kipping zufolge sind es rund drei Millionen Kinder in Deutschland, die in diesem Sommer nicht verreisen können.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht gesetzgeberischen Handlungsbedarf, was Jugendfreizeiten angeht. Es müsse garantiert sein, dass vor Ort über die Jugendverbände Freizeitfahrten und Ferienreisen angeboten würden und kein Kind ausgeschlossen bleibe, nur weil es kein Geld habe, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. „Kinder- und Jugenderholung gehören heute schon laut Gesetz zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit“, so Schneider weiter. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass der Gesetzgeber nun auch dafür zu sorgen habe, dass kein Kind zu Hause bleiben muss. „Es geht nicht nur um Erholung, es geht um Pädagogik, um Gruppenerfahrung und darum, dazuzugehören und gemeinsam etwas zu vollbringen.“

Vom Familienministerium war keine Stellungnahme zu erhalten. Ministerin Manuela Schwesig (SPD) rief als Gastpredigerin im mecklenburgischen Dassow dazu auf, Gutes zu tun: „Jeder kann ein Licht sein.“