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Neue Steuerregel: Immer mehr Kirchenaustritte

Wegen einer Änderung im Steuerrecht kehren offenbar immer mehr evangelische Christen ihrer Kirche den Rücken.

Die Zahl der Austritte ist in den vergangenen Monaten teils um mehr als 50 Prozent gestiegen, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes ergab. Ab 2015 wird die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch von den Banken an den Fiskus weitergeleitet.

Aus der bayerischen Landeskirche beispielsweise traten von Januar bis Juni 14.800 Menschen aus, 52,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In Württemberg lag die Steigerung im ersten Quartal bei 57,1 Prozent, von 3500 auf 5500. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz berichtete von 10.010 Austritten im ersten Halbjahr, das sind mehr als in den Gesamtjahren 2011 und 2012. Gespräche hätten gezeigt, dass die Kapitalertragsteuer für die Austritte mitverantwortlich sei, hieß es. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge war bisher bei der Steuererklärung fällig. Künftig wird sie direkt von den Banken abgezogen. Die Steuersätze bleiben gleich.

Auch die katholische Kirche ist offenbar von dem Trend betroffen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart traten laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von Januar bis Juni rund 10.000 Menschen aus der Kirche aus. Im gesamten Jahr 2013 waren es 14.617. In Deutschland leben gegenwärtig rund 24,2 Millionen Katholiken und 23,4 Millionen evangelische Christen. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt bei rund 60 Prozent.