Konflikt

Kiew warnt vor russischer Invasion der Ukraine

Getarnter Konvoi soll über die Grenze geschickt worden sein

Die Regierungen in Washington und Kiew sehen offenbar konkrete Hinweise darauf, dass Russland unter dem Deckmantel humanitärer Hilfen in die Ukraine einmarschieren könnte. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, warnte vor dem UN-Sicherheitsrat am Freitag vor einer russischen Invasion. Kiew warf Moskau die Entsendung eines getarnten Militärkonvois vor und beklagte den Tod von 13 Regierungssoldaten bei Gefechten in der Ostukraine.

Ein „einseitiges Eingreifen Russlands auf ukrainischem Boden, etwa unter dem Vorwand humanitärer Hilfe, wäre völlig inakzeptabel und sehr alarmierend“, sagte Power. Die russische Regierung hatte dem Sicherheitsrat die Einrichtung humanitärer Korridore im Osten der Ukraine vorgeschlagen, damit Zivilisten vor den Kämpfen fliehen könnten. Zudem könne das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Hilfskonvois organisieren. „Dringende humanitäre Hilfe sollte von internationalen Organisationen gestellt werden, die die Expertise, Erfahrung und Unabhängigkeit dafür mitbringen“, sagte Power. „Sie sollte nicht von Russland gegeben werden.“

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon signalisierte die Bereitschaft der Vereinten Nationen, ihre Unterstützung zu verstärken, falls sich die humanitäre Lage weiter verschlechtern oder die Bemühungen Kiews nicht ausreichen sollten. Die Führung in Kiew ließ nach eigenen Angaben bereits einen vermeintlichen Hilfskonvoi aus Russland stoppen.

Die Rebellen in der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk erklärten sich derweil zu einer Waffenruhe bereit. Sie solle dazu dienen, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, sagte der Separatistenführer und selbst ernannte Ministerpräsident der Donezker Volksrepublik, Alexander Sachartschenko. Die Regierung in Kiew reagierte zunächst nicht auf das Angebot. Die Regierungstruppen hatten ihren Belagerungsring um die Stadt mit einer Million Einwohnern zuletzt immer enger gezogen. Auch am Sonnabend war in den fast menschenleeren Straßen mehrfach Artilleriefeuer zu hören.