Gaza-Konflikt

Die Waffen sprechen, die Politiker schweigen

Die Hamas beendet die Feuerpause und schießt erneut Raketen auf Israel

Die Hoffnungen auf eine dauerhafte Waffenruhe im Nahen Osten haben sich nach Ablauf einer dreitägigen Kampfpause am Freitag zerschlagen. Nach erneutem Raketenbeschuss von Hamas nahestehenden bewaffneten Brigaden aus dem Gazastreifen nahm auch Israel seinen Militäreinsatz wieder auf und brach die Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe ab.

Das Wiederaufflammen der Kämpfe stellte einen möglichen Erfolg der indirekten Verhandlungen zwischen den beiden Seiten immer mehr in Zweifel. Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas erklärte, sie wolle die Gespräche fortsetzen, doch der israelische Regierungssprecher Mark Regev lehnte das ab. „Als die Hamas die Waffenruhe brach, als Hamas Raketen und Mörsergeschosse auf Israel feuerte, brachen sie die Vorbedingung für die Gespräche. Es wird keine Verhandlungen unter Feuer geben“, sagte er. Das ägyptische Außenminister nahm das Scheitern der Waffenruhe „mit äußerstem Bedauern“ auf und rief beide Seiten zur Zurückhaltung und einer neuen Feuerpause auf. Es habe bereits Fortschritte bei den Gesprächen gegeben, hieß es in einer Erklärung. Details dazu wurden allerdings noch nicht genannt.

Nach außen hin sind die Fronten zwischen beiden Seiten festgefahren. Israel fordert, dass die Hamas entwaffnet wird oder sich zumindest nicht mehr neu bewaffnen kann, während die Hamas eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens erreichen will. Die radikalen Palästinenser beharren darauf, ihre Waffen zu behalten. Deren Zahl ist allerdings durch die am 8. Juli begonnene Militäroffensive nach israelischen Angaben drastisch gesunken. Demnach zerstörte Israel zwei Drittel des Raketenarsenals der Hamas und alle Tunnel, die vom Gazastreifen aus auf israelisches Gebiet führen.

Wie wenig Bewegung es zwischen den beiden Parteien gibt, zeigte auch die letzte Verhandlungsrunde, bevor am Freitagmorgen noch vor Ablauf der 72-stündigen Feuerpause wieder die ersten Raketen auf Israel flogen. Die gesamte Nacht über habe es keine Annäherung gegeben, die israelische Seite habe alle Forderungen der Hamas rundweg abgelehnt, hieß es aus palästinensischen Verhandlungskreisen.

Dutzende Raketen wurden am Freitag aus dem Gazastreifen abgefeuert. Allerdings übernahmen dafür kleinere Extremistengruppen die Verantwortung und nicht die Hamas. Zwei Israelis wurden nach Angaben der Polizei verwundet. Wie die palästinensischen Behörden mitteilten, schlugen die meisten israelischen Geschosse auf leeren Feldern ein. Eines habe aber den Hinterhof der Nur-al-Mohammadi-Moschee in Gaza-Stadt getroffen, einen zehnjährigen Jungen getötet und fünf weitere Menschen verletzt, sagte Aschraf al-Kidra, Sprecher der Gesundheitsbehörden in Gaza-Stadt. Bei einem weiteren Angriff wurde das Haus einer Familie des Zahar-Clans getroffen, dem auch der ranghohe Hamas-Funktionär Mahmud Zahar angehört. Drei Frauen und ein Fünfjähriger wurden verletzt. Eine baldige Fortsetzung der Verhandlungen über eine längerfristige Waffenruhe zeichnete sich aber nicht ab. Die israelische Delegation verließ Kairo am Freitagmorgen, wie ein Mitarbeiter des Flughafens der ägyptischen Hauptstadt berichtete. Ob sie zurückkehren würde, während beide Seiten feuerten, war zunächst unklar.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat sich unterdessen erneut über einen massiv wachsenden Antisemitismus im Zuge der Gaza-Krise beklagt. „Das sind die schlimmsten Zeiten seit der Nazi-Ära“, sagte er der Londoner Tageszeitung „The Guardian“. „Auf den Straßen hört man Dinge wie „die Juden sollten vergast werden“, „die Juden sollten verbrannt werden“ – das hat es in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.“ Dies sei keine Kritik an der israelischen Politik, sondern purer Hass gegen Juden. Das sei aber nicht allein ein deutsches Phänomen.