Kommentar

Vor den Toren zur Hölle

Jacques Schuster über die Situation im Irak

Das Morden und Massakrieren im Irak offenbaren vieles: Zunächst und vor allem zeigen sie, was geschieht, wenn islamischen Fanatikern moderne Waffen in die Hand gegeben werden. Dann vergessen sie die heiligen Suren des Korans und ihre Weisungen, wie man mit den monotheistischen Bruderreligionen umzugehen hat, und öffnen die Tore der Hölle. Sie exekutieren und füsilieren, brandschatzen und vergewaltigen, erdolchen und erwürgen, metzeln nieder und schlachten ab. Selten ist man Zeuge eines solchen Ausmaßes an Grausamkeiten geworden. Ein Völkermord gegen Jesiden und Christen geschieht, und die Weltgemeinschaft schaut zu. Diese Tatsache führt zur nächsten Schlussfolgerung beim Blick auf das Armageddon im Irak.

Nur eine einzige Macht kann die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) aufhalten: die Vereinigten Staaten von Amerika. Ihr Präsident, kein Freund von voreiligen Interventionen, schickt sich an, die Christen, Jesiden und Kurden zu schützen. Als Oberbefehlshaber weist Barack Obama seine Streitkräfte an, die ins Gebirge geflüchteten Menschen zunächst mithilfe von Kampfjets gegen die Terroristen des IS zu verteidigen, um sie dann aus der Luft mit Lebensmitteln zu versorgen. Wenn es Amerika nicht gäbe, um wie viel höher wären die Leichenberge auf der Welt? Es muss endlich deutlich gesagt werden: Ohne die USA im Nahen Osten herrschte nicht nur Chaos, sondern es bräche auch ein Blutrausch sondergleichen aus.

Was hat man sich in Europa und der arabischen Welt nicht alles gegen Amerikas Anwesenheit im Irak anhören müssen? Wie hämisch und begeistert waren sie, als das Weiße Haus seine Truppen aus dem Irak abzog, weil endlich die vermeintlichen Imperialisten verschwänden? Wären diese Heuchler nicht auch noch ideologisch vernagelt, dann müssten sie einsehen: Der US-Präsident setzt seine Militärmacht in Gang – obwohl sein Land kaum auf das Öl der Region angewiesen ist. Müsste es vielen Kritikern heute nicht dämmern, dass sie Gefangene ihrer Vorurteile sind? Doch kaum ein Gemüt in Europa erregt sich. Welcher muslimische Verband in Deutschland hat den Genozid im Irak eigentlich bereits verurteilt?

Es war Dolf Sternberger, der mit Blick auf die Weimarer Republik schrieb: „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit.“ Dieser Satz ist heute so aktuell wie damals. Allerdings muss er nun vor allem für Islamisten in Deutschland gelten. Es darf nicht sein, dass Jesiden hierzulande Angst vor Muslimen haben müssen und sich nicht mehr trauen, auf die Straßen zu gehen. Es kann nicht sein, dass Juden von hier lebenden Muslimen beschimpft und beleidigt werden, weil diese nicht begreifen, dass der Nahost-Konflikt zwar viel mit Israel und den Palästinensern, aber nichts mit den hier lebenden Juden zu tun hat.

Doch zunächst ist der Massenmord im Irak zu verhindern. Was kann Berlin tun? Zumindest sollte es christliche und jesidische Flüchtlinge aufnehmen. Sind sie hier, sind sie vor Salafisten und Radikalen zu schützen. Wer sie angreift, greift uns an.