Ermittlungen

Islamisten-Krawalle in Ostwestfalen

In Herford gehen Terroranhänger auf eine kurdische Minderheit los

Die Gewalt im Nahen Osten macht sich auch in Deutschland bemerkbar. In Herford in Ostwestfalen kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Jesiden und Sympathisanten der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Der Staatsschutz ermittelt. Die Ereignisse passierten am Mittwochabend, öffentlich bekannt wurden sie allerdings erst am Donnerstag.

Die Krawalle in Herford haben sich an einem Aufruf der Jesiden zu einer Demonstration entzündet. Dem Polizeibericht zufolge hatte die religiöse Minderheit an einem Imbiss in der Innenstadt den Aufruf für Freitag aufgehängt. Sechs IS-Sympathisanten hätten dann fünf Jesiden attackiert. Zwei 31 und 16 Jahre alte Jesiden wurden durch Messerstiche leicht verletzt.

Später versammelten sich etwa 300 Jesiden, um gegen den Angriff zu protestieren. Es kam zu Sachbeschädigungen und Landfriedensbruch, als eine vermummte und mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Menge auf Passanten einschlug. Ein 24-jähriger Herforder erlitt Platzwunden und Prellungen. Zur Unterstützung wurden Polizisten aus Ostwestfalen und Hundertschaften aus Bochum und Dortmund nach Herford beordert. Die ganze Nacht lang seien Personengruppen kontrolliert worden, sagte ein Polizeisprecher. Von 86 Menschen wurden die Personalien aufgenommen. Sechs Männer, die überwiegend aus Tschetschenien stammen, wurden festgenommen, Schlagwerkzeuge und eine Schusswaffe sichergestellt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), rief zu Besonnenheit und Gewaltlosigkeit auf. „Auf keinen Fall darf es bei uns Stellvertreterkämpfe geben, die wegen schwerer Konflikte im Ausland zu uns getragen werden“ erklärte sie in Berlin. „Wer mit Terrororganisationen sympathisiert, erreicht die Grenze des Demonstrationsrechts und der Meinungsfreiheit. Wer Gewalt ausübt, überschreitet sie.“

Die jesidische Gemeinde in Deutschland zählt nach Angaben ihres Zentralrats rund 60.000 Menschen, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Jesiden sind eine im Nordirak lebende kurdische Minderheit. Sie wird von der Terrormiliz IS verfolgt. Nach UN-Angaben haben sich seit Dienstag rund 200.000 Jesiden in das Sindschar-Gebirge nahe der syrischen Grenze geflüchtet. Sie sind dort von Hilfsgütern weitestgehend abgeschnitten.

Die „New York Times“ meldete am Donnerstag, US-Präsident Barack Obama erwäge Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak sowie humanitäre Hilfsaktionen wie das Abwerfen von Lebensmitteln. Das Blatt berief sich dabei auf auf einen hohen Regierungsvertreter. Ein Pentagon-Sprecher wies zugleich Berichte zurück, Luftangriffe hätten bereits stattgefunden. Wegen der Krise im Irak rief der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York eilig eine Sondersitzung ein. Das Treffen sollte am Donnerstagabend (Ortszeit) stattfinden.