Bericht

100.000 Kinder verschwinden jedes Jahr in Indien

Jedes Jahr verschwinden in Indien um die 100.000 Kinder.

Etwa 45Prozent von ihnen bleiben für immer verschollen, wie die „Times of India“ am Donnerstag berichtete. Die Tageszeitung stützt sich auf neue Zahlen des Innenministeriums in Neu-Delhi. Die Mehrzahl der Betroffenen sind Mädchen – 55 Prozent. Ein Teil der Kinder wird den Informationen zufolge von professionellen Banden entführt und zur Prostitution oder zum Betteln gezwungen. Immer wieder gibt es auch Berichte, wonach Kinder verschleppt und getötet werden, um an Spenderorgane zu kommen.

Indien mit seinen knapp 1,2 Milliarden Menschen gehört zu den Ländern mit der höchsten Zahl verschwundener Kinder. Allein in der Hauptstadt Neu-Delhi werden jeden Tag 14 Minderjährige offiziell als vermisst gemeldet. In China, dem mit 1,36 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichsten Land der Erde, liegt die offizielle Zahl der Mädchen und Jungen, die jährlich verschwinden, bei etwa 10.000 pro Jahr. Das Oberste Gericht Indiens hat die Regierung mehrfach gerügt, dass sie nicht genug zum Schutz von Minderjährigen unternehme. Die Regierung arbeitet zurzeit an einer Internetseite, auf der Vermisste registriert werden sollen, um eine Öffentlichkeit für die Kinder und ihre Eltern zu schaffen. Oft sind die Familien arm, und die Polizei zeigt wenig Interesse, das Verschwinden eines Kindes aufzuklären.

Derweil will die Regierung als Reaktion auf brutale Vergewaltigungen das Jugendstrafrecht verschärfen. Das Kabinett beschloss, dass bei besonders grausamen Verbrechen über 16-Jährige vor Gericht wie Erwachsene behandelt werden können, wie indische Medien am Donnerstag berichteten. Die Gesetzesänderung schließt aber die Todesstrafe oder lebenslange Haft für Minderjährige aus.