Offensive

Ukraine bereitet die Erstürmung von Donezk vor

Regierungstruppen fliegen Angriffe auf die Rebellenhochburg. Moskau verbietet Einfuhr westlicher Agrarprodukte

Die ukrainische Armee rückt immer dichter auf das Zentrum der Separatistenhochburg Donezk im Osten des Landes vor. Nur fünf Kilometer vom Hauptplatz entfernt schlugen Raketen und Artilleriegeschosse ein. Die Ukraine stritt allerdings ab, Luftangriffe auf Donezk zu fliegen. Nach Einschätzung des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk steigt in dem Konflikt auch die Gefahr eines „direkten Eingreifens“ Russlands angesichts der Truppenverstärkung an der Grenze zur Ukraine. Russland hatte solche Vorwürfe allerdings wiederholt zurückgewiesen.

Die ukrainischen Streitkräfte gehen bei ihrer Offensive neben Donezk auch gegen andere Bastionen der Separatisten vor, wie etwa Lugansk und Horliwka. Bei dem Konflikt mit den prorussischen Separatisten kamen bereits mehr als 1000 Zivilisten ums Leben. 200.000 der rund eine Million Einwohner von Donezk sind nach Schätzungen der örtlichen Behörden vor dem Beschuss der ukrainischen Regierungstruppen aus der Stadt geflohen. Die Stadtverwaltung von Donezk teilte mit, dass durch Artilleriebeschuss drei Menschen getötet worden seien.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Andrej Lyssenko, stritt am Mittwoch aber ab, dass ukrainische Flugzeuge Angriffe auf Donezk oder Lugansk geflogen hätten. Der Rettungsarbeiter Alexander Piwko sagte hingegen, es habe einen Luftangriff gegeben und zwei Mitarbeiter einer Lagerhalle seien verletzt worden. In der Gegend von Kalininski, nur rund fünf Kilometer östlich vom Hauptplatz in Donezk, hatte es in der Nacht Luftangriffe gegeben, die den ukrainischen Regierungstruppen zugeschrieben wurden. Es waren acht Krater zu sehen, die offenbar durch die Angriffe verursacht worden waren. In einer anderen Hochburg der Rebellen, der Stadt Horliwka rund 35 Kilometer nördlich von Donezk, teilte die Stadtverwaltung mit, durch den Beschuss in den letzten Tagen seien 33 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden.

Wegen anhaltender Kämpfe auch im Gebiet des Absturzes von Flug MH17 stellten die Niederlande die Mission zur Bergung sterblicher Überreste und persönlicher Gegenständen zunächst ein. Das teilte Ministerpräsident Mark Rutte Mittwochabend in Den Haag mit. Der Einsatz sei für die rund 100 Kräfte aus den Niederlanden, Australien und Malaysia zu gefährlich geworden. Die Suche werde zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt. Rutte fügte hinzu, die Bergungsmannschaft beurteile die Suchaktionen der örtlichen Behörden in den Tagen unmittelbar nach dem Absturz inzwischen anders. Nach Informationen eines ukrainischer Militärarztes hätten etwa 800 Freiwillige nach Opfern gesucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Russlands Präsidenten Wladimir Putin indirekt Unterstützung der Aufständischen in der Ukraine vorgeworfen. Die Kanzlerin habe sich in einem Telefonat mit Putin besorgt gezeigt, „dass von Russland aus Nachschub für die Separatisten in den Donbass geliefert werde“, teilte eine Sprecherin der Bundesregierung am Mittwochabend mit. Merkel habe gefordert, bei den Separatisten auf eine Waffenruhe hinzuwirken.

Als Reaktion auf die Sanktionen westlicher Staaten hat Präsident Putin per Dekret festgelegt, dass die Einfuhr von Agrarprodukten aus diesen Ländern verboten oder beschränkt wird. Alle Importverbote sollen zunächst für ein Jahr gelten.