Kommentar

Personal muss Chefsache werden

Andreas Abel über den Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst Berlins

Der Senat will „noch in diesem Jahr“ ein Konzept zum Personalbedarf und zur Personalentwicklung im öffentlichen Dienst Berlins vorlegen. Das klingt zunächst gut – doch in Wahrheit verbirgt sich dahinter ein Trauerspiel. Bis 2020 wird jeder vierte Mitarbeiter der Senatsverwaltung in den Ruhestand gehen, in den Bezirksämtern sind es mit knapp 29 Prozent sogar noch mehr. Das fällt nicht als große Neuigkeit vom Himmel, die Altersstruktur in den Behörden ist seit Jahren bekannt. Doch geschehen ist so gut wie nichts, eine strukturierte und bedarfsorientierte Personalplanung ist nicht in Sicht.

Stattdessen wurde und wird darüber diskutiert, ob es angesichts des Bevölkerungswachstums in Berlin sinnvoll ist, an der Zielgröße von 100.000 Mitarbeitern im öffentlichen Dienst festzuhalten. Diese Zahl wurde vor vielen Jahren festgeschrieben, als die Personaldebatte nur ein Thema kannte: Abbau. Inzwischen mutet die Diskussion wie der sprichwörtliche Streit um des Kaisers Bart an. Wenn der Senat nicht schnell gegensteuert, werden schon in drei, vier Jahren weit weniger als 100.000 Beamte und Angestellte die Geschicke Berlins verwalten. Dabei ist die wachsende Stadt natürlich ein wesentlicher Faktor dieser Problematik. Unter dem Personalmangel in vielen Behörden leiden heute schon Berliner: Wer in diesen Wochen einen Termin im Bürgeramt benötigt, muss wochenlange Wartezeiten in Kauf nehmen. Und wer in einem City-Bezirk eine mutmaßlich illegal betriebene Ferienwohnung meldet, bekommt zur Antwort, dass man zwar dankbar für den Hinweis sei, diesem aber zurzeit wegen der angespannten Personallage nicht nachgehen könne.

Das Personalkonzept muss also so schnell wie möglich auf den Tisch. Ob es geeignet ist, die Verwaltung im Sinne und Dienste der Bürger arbeitsfähig zu halten, muss sich noch erweisen. Klar ist aber heute bereits: Der Senat muss viel intensiver ausbilden, um Fachkräftemangel zu vermeiden. Doch das allein wird nicht reichen, dazu hätte viel früher eine Nachwuchsoffensive gestartet werden müssen. Es muss darüber hinaus ermöglicht werden, in viel stärkerem Maß Spezialisten aus der Wirtschaft und dem Dienstleistungssektor einzustellen und sie mit guten Bedingungen anzulocken. Vor allem aber muss der Senat die Leistungsfähigkeit der Verwaltung endlich als gemeinsame zentrale Aufgabe begreifen. Die Verantwortung für das Personal zwischen der Finanz- und der Innenverwaltung aufzuteilen, ist in hohem Maße kontraproduktiv. Der öffentliche Dienst benötigt einen Personalchef.