Religion

„Eine Peinlichkeit“: Schützenverband unter Beschuss

Schon wieder hat Rolf Nieborg unliebsame Nachrichten im Postfach. „Ich bekam heute schon E-Mails, die mich als Nazi und Ewiggestrigen beschimpfen“, beklagt der Sprecher des Bundes Historischer Deutscher Schützenbruderschaften

. Sein auf Tradition ausgerichteter christlicher Verband will einen muslimischen Schützenbruder, der Mitte Juli im westfälischen Werl-Sönnern den Vogel abgeschossen hat, nicht als Schützenkönig anerkennen. „Wir sind ein katholischer Verband, der laut Statut im Sinne der Ökumene auch andere Christen aufnimmt, aber eben keine Muslime, ansonsten verlieren wir unseren Status als katholischer Verband nach dem kanonischen Recht.“

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) sieht das anders. In einem Brief an den BHDS-Geschäftsführer nennt ADS-Leiterin Christine Lüders die Haltung intolerant und diskriminierend. Lüders weist den BHDS auf den Vereinszweck der Schützenbruderschaft in Werl hin, nämlich den „Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit“. „Was könnte besser dem Vereinszweck dienen als ein muslimischer Schützenkönig?“, fragt die Bundesbeauftragte. Mithat Gedik müsse Schützenkönig bleiben. Der in Deutschland geborene Gedik gilt laut Medienberichten als ein Paradebeispiel gelungener Integration. Der Kaufmann leitet die Niederlassung eines Mannheimer Unternehmens, er ist mit einer katholischen Frau verheiratet und hat vier Kinder, die alle katholisch getauft sind.

NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) hofft, „dass diese Peinlichkeit zügig aus der Welt geschaffen wird“. Er nannte die Debatte ein „Stück aus dem Tollhaus“, das von „Provinzialität“ zeuge. Es gebe in NRW viele Muslime, die Schützen- oder Karnevalskönige seien.