Ukraine-Krise

Putin schickt 21.000 Soldaten an die Grenze

Der Westen wirft Russland vor, den Konflikt in der Ukraine zu verstärken

Die Tonlage im Ukraine-Konflikt verschärft sich. Der Westen wirft Russland vor, eine „gefechtsbereite Streitmacht“ an der Grenze zum krisengeschüttelten Nachbarland zusammengezogen zu haben. Bis zu 21.000 Soldaten habe Moskau dort in den vergangenen Wochen aufmarschieren lassen, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter. Demnach hat Russland Infanterie, Artillerie und Luftabwehr an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Mit dem Aufmarsch könnten russische Einheiten mit wenig Vorwarnung grenzüberschreitend aktiv werden, hieß es. Die Ukraine sprach sogar von 45.000 russischen Soldaten an ihrer Grenze.

Russland hatte zuletzt einen massiven Beschuss seiner Grenze von ukrainischem Territorium aus kritisiert. Dabei starb mindestens ein Mensch, mehrere Gebäude wurden zerstört. Außerdem begründete Moskau in der Vergangenheit die Truppenkonzentration damit, auf diese Weise Nachschub für prorussische Separatisten in der Ukraine verhindern zu wollen.

Als Reaktion auf westliche Sanktionen könnte Russland europäischen Airlines den Überflug über sein Territorium verbieten, berichtete unterdessen die Moskauer Tageszeitung „Wedomosti“. Ein entsprechender Schritt werde derzeit im Transport- und im Außenministerium geprüft, hieß es. Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich aber skeptisch. „Man muss alle Vor- und Nachteile abwägen, um nicht den Amerikanern und Europäern zu ähneln und sich mit Sanktionen selbst den Hammer auf den Kopf zu schlagen“, sagte Peskow. Regierungssprecherin Natalia Timakowa sagte, dem Kabinett liege bislang kein solcher Vorschlag vor.

Die Lage für die Bevölkerung in den ostukrainischen Großstädten Lugansk und Donezk wird derweil immer dramatischer. Nach wochenlangen Kämpfen seien in Lugansk etwa 250.000 Menschen ohne Wasser und Strom, teilten die örtlichen Behörden mit. Sie sprachen von einer „humanitären Katastrophe“. Bei tagelanger Hitze habe auch die Müllabfuhr den Dienst eingestellt. Im benachbarten Donezk versuchten nach einem dringenden Appell der Armee immer mehr Menschen, die Stadt zu verlassen. Beobachter schließen eine Bombardierung nicht aus. Die ukrainische Armee zog ihren Belagerungsring um die Millionenstadt erneut enger. Die Regierungskräfte würden eine massive Offensive vorbereiten, sagte Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew. „Der Angriff ist noch nicht im Gang, aber wir bereiten die Befreiung von Donezk vor.“

730.000 Menschen auf der Flucht

Nach Angaben der UN sind in diesem Jahr rund 730.000 Menschen vor der Gewalt in der Ukraine nach Russland geflohen. Etwa 80 Prozent hätten sich in der russischen Grenzregion zu ihrem Heimatland in Sicherheit gebracht, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mit.

Die Angaben über die Zahl der Geflohenen stammen laut UNHCR von den russischen Behörden. Viele der Angekommenen ließen sich nicht als Flüchtlinge registrieren, da sie Komplikationen bei ihrem Aufenthalt in Russland befürchten. Innerhalb der Ukraine geht das UNHCR von 117.000 Binnenflüchtlingen aus. Die meisten davon stammen aus dem umkämpften Osten des Landes, aber auch aus der von Russland annektierten Krim. Die Geflohenen sind oft bei Verwandten und Bekannten untergekommen.