Terror

IS-Extremisten richten im Irak 67 Jesiden hin

Zwei Tage nach dem weiteren Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat sich das irakischen Parlament getroffen, um die politische Blockade im Land zu lösen.

Auf der Tagesordnung der Abgeordneten stand die Wahl eines neuen Regierungschefs. Wegen eines heftigen Streits zwischen den großen Parteien um den nächsten Ministerpräsidenten gilt es jedoch als wenig wahrscheinlich, dass die Parlamentarier tatsächlich einen neuen Amtsinhaber bestimmen. Die Wahl eines Regierungschefs war am Wochenende noch dringlicher geworden, nachdem die IS-Extremisten im Norden des Landes ihren Vormarsch fortgesetzt hatten. Dort vertrieben sie nach heftigen Kämpfen kurdische Einheiten aus großen Gebieten nördlich und westlich der Millionenstadt Mossul.

Nach Angaben der UN sind rund 200.000 Menschen auf der Flucht, die meisten von ihnen Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. Das kurdische Nachrichtenportal Rudaw meldete am Montag, kurdische Einheiten, die Peschmerga-Kämpfer, hätten eine Offensive gestartet, um die IS-Kämpfer wieder aus den Gebieten zu vertreiben. Augenzeugen berichteten am Montag, IS-Extremisten hätten in der Stadt Sindschar 67 junge Männer hingerichtet, nachdem diese sich geweigert hätten, zum Islam zu konvertieren. Sindschar ist das größte Siedlungsgebiet der Jesiden, Angehörigen einer monotheistischen Religion. Viele Muslime betrachten sie als „Teufelsanbeter“. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hatte am Montag vor einem Völkermord im Irak gewarnt. Die Wahl eines Ministerpräsidenten gilt als Bedingung, um die politische Krise in Bagdad beenden und den IS-Vormarsch stoppen zu können. Allerdings streiten sich Schiiten, Sunniten und Kurden seit Wochen, wer nächster Regierungschef wird.