Gedenken

Gauck trifft erneut den richtigen Ton

Bundespräsident gedenkt in Belgien dem Beginn des Ersten Weltkriegs

Auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien hat Bundespräsident Joachim Gauck an den Ausbruch der Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges erinnert. „Es ist nach allem, was geschehen ist, alles andere als selbstverständlich, dass ich, ein deutscher Präsident, hier stehe und an diesem Tag zu Ihnen spreche“, sagte Gauck: Er danke „allen Belgierinnen und Belgiern, die nach den beiden Kriegen, nach dem zweimaligen Überfall deutscher Truppen auf ihr Land, nach den Gräueln, nach all dem Leid und all dem Elend, schon sehr bald nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand zur Versöhnung ausgestreckt haben“.

Der Staatsakt fand an der Gedenkstätte in Lüttich statt, der ersten Großstadt, die Anfang August 1914 von deutschen Truppen attackiert wurde. Für Gauck war es der zweite Termin im Rahmen des Weltkriegsgedenkens. Bereits am Sonntag hatte er mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande auf dem Hartmannswillerkopf in den Vogesen den Grundstein für eine neue Gedenkstätte gelegt.

Auf Einladung des belgischen Königs Philippe waren Staats- und Regierungschefs aus mehr als 30 Staaten nach Belgien gekommen, darunter auch der Herzog von Cambridge, Prinz William. Der Grund ist, dass die deutsche Invasion im Nachbarstaat direkt zur Ausweitung des noch europäischen Krieges zum Weltkrieg geführt hatte, denn Großbritannien stellte dem Deutschen Kaiserreich ein Ultimatum, sich sofort aus dem neutralen Staat zurückzuziehen. Als Berlin das ablehnte, erklärte London seinerseits am Abend des 4. August 1914 Deutschland den Krieg.

„Wir gedenken heute des schrecklichen ,Großen Krieges‘, der zum ersten der beiden Weltkriege wurde“, so Gauck. „Dieser Krieg begann in Westeuropa mit dem durch nichts zu rechtfertigenden Überfall Deutschlands auf das neutrale Belgien. Dieser Überfall folgte allein der militärischen Logik. Und so wurde schon am ersten Tag des Krieges offenbar, dass Verträge wertlos und zivilisatorische Standards außer Kraft gesetzt waren.“ Anders als etwa Prinz William oder Hollande sprach Gauck aktuelle Kriege an, ohne explizit die Ukraine und den Nahen Osten zu nennen: „Und wieder wird in einer Region das Völkerrecht missachtet, in anderen Regionen das Kriegsrecht.“ Nun aber sei aus einem Kontinent des Krieges ein Kontinent des Friedens geworden. „Gemeinsam haben wir eine Verantwortung für die Welt.“