Nahost-Konflikt

Amos Oz nennt Einsatz der Armee „gerechtfertigt“

Israelischer Schriftsteller kritisiert die Hamas

Der populäre israelische Schriftsteller Amos Oz, 75, sieht keine Alternative zur israelischen Militäroperation im Gazastreifen. Angesichts der Raketenangriffe durch die radikalislamische Hamas auf israelische Städte sei sein Land in einer schwierigen Situation, sagte Oz der Deutschen Welle. „Je mehr israelische Opfer es gibt, desto besser für die Hamas. Je mehr palästinensische Zivilisten sterben, desto besser für die Hamas.“ Den Einsatz der israelischen Armee nannte Oz „gerechtfertigt, aber exzessiv“.

Oz sprach sich dafür aus, auf die Forderung der Hamas nach einer Aufhebung der Blockade des Gazastreifens zugunsten einer wirkungsvollen Entmilitarisierung einzugehen. Langfristig könne nur eine Zwei-Staaten-Lösung für Frieden in der Region sorgen. Oz: „Wenn die Menschen in Ramallah und Nablus im Westjordanland in Wohlstand und Freiheit leben, werden die Menschen in Gaza früher oder später das mit der Hamas machen, was die Bevölkerung Rumäniens mit Ceausescu gemacht hat. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird, aber es ist vorbestimmt.“ Oz, der als junger Mann eine Zeitlang in einem Kibbuz wohnte, hatte in der Vergangenheit oft seine Heimat kritisiert. Zuletzt nannte er im Mai bei einer Rede zu seinem 75. Geburtstag gewaltbereite Siedlerjugend, die Moscheen in Brand setzen, „Neonazis“.

Im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg kritisierte unterdessen der Publizist Alfred Grosser jüdische Verbände in Deutschland und Frankreich. „Das schlimme ist die ständige totale Identifikation mit Israel, auch wenn Israel momentan große Kriegsverbrechen begeht“, sagte der französische Politologe und Historiker am Sonntag in einem Interview des Deutschlandfunks. Grosser wurde 1925 als Sohn eines jüdischen Arztes in Frankfurt am Main geboren und emigrierte mit seinen Eltern nach Frankreich.

Derweil wirft der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, den muslimischen Verbänden vor, nicht genug gegen Antisemitismus zu tun. „Sie versprechen es, aber konkrete Schritte muss man mit der Lupe suchen“, sagte Graumann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der Zentralrat der Juden habe sich stets für Muslime in Deutschland eingesetzt. Eine Solidarisierung von Muslimen mit Juden bleibe nun aber aus, so Graumann.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland wehrt sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Der Vorsitzende Aiman Mazyek sagte, in den Freitagsgebeten und im Austausch mit Jugendlichen setzten sich die islamischen Gemeinden sehr wohl mit Antisemitismus auseinander. Mazyek mahnte eine klare Unterscheidung zwischen Kritik an der israelischen Kriegspolitik und Antisemitismus an.