Familie

Berlusconi und die Bambini

Die Kinder des früheren Ministerpräsidenten von Italien haben ihre erste Pleite hingelegt

Prezzofelice sollte das italienische Groupon werden, ein Internetdienst, der Rabatte anbietet, wenn sich genügend Interessenten finden. Preisabschläge für Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche und Reisen. Wie es eben auch das börsengelistete US-Vorbild macht. Doch das Abenteuer Prezzofelice endete nach anfänglichem Erfolg mit einem Desaster. Im Juni meldete die Firma Insolvenz an, und sie hinterlässt Heerscharen zorniger Kunden, geprellter Lieferanten und gefeuerter Angestellter. In sozialen Netzwerken wie Facebook haben sich die Enttäuschten in Gruppen zusammengeschlossen. Manch einer ist so erbost, dass er den früheren Topmanagern eine Tracht Prügel verspricht.

Ein Teil der Wut richtet sich gegen jene seltsame Dynastie, die Familie Berlusconi. Barbara, Eleonora und Luigi, die Kinder des Mailänder Medienmilliardärs und langjährigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, stiegen im Sommer 2012 bei dem Start-up ein und hielten 40 Prozent des Kapitals. Das kostete sie gerade mal zwei Millionen Euro, bezahlt in bar und im Gegenwert von Werbespots auf den TV-Kanälen des Papas. Den finanziellen Verlust dürfte die Familie mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 7,8Milliarden Dollar schon verschmerzen. Viel schlimmer ist der Imageschaden. Nach dem Freispruch in zweiter Instanz im Ruby-Prozess, in dem Berlusconi bezahlter Sex mit einer Minderjährigen vorgeworfen wird, atmete der 78-Jährige Morgenluft. Und seine Kinder?

Fünf Kinder von zwei Frauen hat Berlusconi. Marina, 47, ist Chefin der familieneigenen Holding Fininvest und des Medienhauses Mondadori. Pier Silvio, 45, mischt beim Fernsehsender Mediaset mit. Sie stammen aus Berlusconis erster Ehe. Die Kinder aus der Zweiten suchen noch nach ihrem Platz. Am ungeduldigsten ist Barbara, gerade 30 geworden. Sie verantwortet die kommerziellen Geschäfte beim Fußballverein AC Milan.

Aus dem Schatten treten langsam auch die beiden Jüngsten, Eleonora, 28, und Luigi, 25. Besonders der Sohn weckt das Interesse der Medien. Schwarzer Wuschelkopf und mit etwas über 1,80 Meter nicht angewiesen auf hohe Absätze wie der Vater, schreibt ein Magazin. Luigi interessiert die Finanzwelt. Er hat an der Eliteuniversität Bocconi studiert und für eine Investmentbank in London gearbeitet. Doch dann platzte die Bombe Prezzofelice.

Am 12. Juni 2014 stellt Prezzofelice den Betrieb ein. Der Insolvenzverwalter übernimmt. Die Berlusconi-Kinder reagieren nicht auf Anrufe oder Mails. Luigi und seine Geschwister hoffen wohl auf die Sommerruhe. Im August ist ganz Italien am Strand. Da wird gebadet, gefeiert und in der Sonne gelegen. Da darf man für vier Wochen wieder unbeschwert Kind sein.