Terror

Sprengstoff im Turban: Cousin von Afghanistans Präsident getötet

Ein Selbstmordattentäter hat im Süden Afghanistans den Cousin und politischen Vertrauten von Präsident Hamid Karsai getötet.

Haschmat Karsai hatte am Dienstagmorgen in seinem Haus in Kandahar Gäste zum feierlichen Ende des Fastenmonats Ramadan empfangen, als der Attentäter sich direkt neben ihm in die Luft sprengte, wie afghanische Medien berichteten. Der Mörder soll den Sprengstoff unter seinem Turban versteckt und die Bombe gezündet haben, als er Karsai zur Begrüßung umarmte.

Haschmat Karsai ist bereits das zweite Familienmitglied, das bei einem Anschlag getötet wurde. Vor drei Jahren wurde ein einflussreicher Halbbruder von Präsident Karsai auf ähnliche Weise getötet. Haschmat Karsai war auch Mitglied der Provinzregierung von Kandahar. Der exzentrische Politiker, der sich einen Löwen als Haustier hielt, hatte als Wahlkampfmanager für Aschraf Ghani und dessen Team gearbeitet. Sein Tod droht die ohnehin politische angespannte Lage weiter zu verschärfen.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah leisten sich seit Wochen einen erbitterten Streit um das Resultat der Stichwahl vom 14. Juni. Wegen Betrugs- und Manipulationsvorwürfen wurde zuletzt entschieden, dass alle acht Millionen Stimmen neu ausgezählt werden müssen. Präsident Karsai, der eigentlich seinen Posten räumen sollte, bleibt solange im Amt, bis sein Nachfolger feststeht. Vorläufigen Ergebnissen zufolge hat der frühere Finanzminister Ghani die Stichwahl im Juni klar gewonnen, doch sein Kontrahent Abdullah erkennt die Resultate nicht an. Selbst die Wahlkommission musste eingestehen, dass es Probleme bei der Auszählung der Stimmen gab. Der Streit um den Ausgang der Präsidentschaftswahl droht das Land zu destabilisieren und entlang ethnischer Linien zu spalten.