Konflikt

Dutzende Tote bei Anschlag in Chinas Unruheregion

Der Konflikt in der westlichen Provinz Xinjiang eskaliert

Bei einem blutigen Zusammenstoß zwischen Polizisten und aufgebrachten Bürgern sind in der chinesischen Unruheregion Xinjiang Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Dienstag unter Berufung auf Polizeiangaben von einem Terrorakt. Der Weltkongress der Uiguren, der für die muslimische Bevölkerung in der Provinz spricht, sprach hingegen von Polizeigewalt. Der Vorfall hatte sich bereits am Montagvormittag (Ortszeit) ereignet, war aber erst am Dienstagnachmittag in der westlichen Welt bekannt geworden.

Nach der Darstellung von Xinhua war ein bewaffneter Mob durch den Bezirk Shache gezogen. Die mit Messern bewaffneten Menschen hatten sich demnach zunächst vor Polizeistationen und Regierungsgebäuden im Ort Elixku versammelt. Anschließend seien sie in die Gegend Huangdi weitergezogen, hätten Zivilisten attackiert und Autos beschädigt. Dutzende Han-Chinesen und einheimische muslimische Uiguren seien ums Leben gekommen. Dann habe die Polizei das Feuer auf die Menge eröffnet und Dutzende Mitglieder des Mobs getötet.

Der Weltkongress der Uiguren erhob hingegen schwere Anschuldigungen gegen die Sicherheitskräfte. Sie hätten 20 Uiguren getötet und zehn weitere verletzt. „Es war ein Aufstand, um gegen die extreme Repression der chinesischen Polizei aufzubegehren“, sagte der Sprecher des in München ansässigen Weltkongresses, Dilxat Raxit. Provokationen durch die Polizei und Diskriminierungen seien die Ursache für die Konflikte.

Wegen der Spannungen zwischen Uiguren und Han-Chinesen gilt Xinjiang seit langem als Konfliktherd. Das muslimische Turkvolk mit sunnitischer Glaubensrichtung fühlt sich wirtschaftlich, politisch und kulturell von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Die Han-Chinesen stellen etwa 91 Prozent der Volksrepublik China, die Uiguren nur etwa 0,8 Prozent.

Umgekehrt wirft Chinas Regierung uigurischen Gruppen separatistische Bestrebungen und Terrorismus vor. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 hatte China das frühere Ostturkestan annektiert. Immer wieder gab es Unruhen und Aufstände, die von amtlich chinesischer Seite als Terrorakte bezeichnet werden.