Kirche

Papst Franziskus im Land der Camorra

Mafia, Müll, Meuterei: Die Menschen in Caserta können Hilfe von oben brauchen

Es könnte so schön sein. Eine Kleinstadt im Süden Italiens. Ein Bourbonenschloss, erbaut nach dem Vorbild von Versailles, eingebettet in einen der größten Parks Europas. Doch der Eindruck trügt. Caserta in Kampanien nördlich von Neapel ist ein Ort der Krise. Stadt und Provinz befinden sich im Würgegriff der organisierten Kriminalität. Die Camorra hat auf den Ackerflächen ringsum giftigen Müll entladen und verbrannt. Die Erde ist verseucht. Terra dei Fuochi (Erde des Feuers) wird die Gegend deshalb genannt. Und als ob das noch nicht reichen würde: Schulabgänger und Universitätsabsolventen finden keine Stellen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent.

Mafia, Müll, Meutereien der Flüchtlinge und miese Perspektiven für den Nachwuchs – Papst Franziskus dürfte sich deshalb dafür entschieden haben, die Messe in Caserta zu feiern. Das Oberhaupt der katholischen Kirche will jedoch ein Zeichen setzen und den Menschen in der schwierigen Zeit Mut machen. Es ist wohl auch eine persönliche Hommage an einen mutigen Geistlichen. Vor fast genau 20 Jahren wurde Don Giuseppe Diana umgebracht. Der Priester aus Casal di Principe, einem Ort westlich von Caserta, war in den 90er-Jahren einer der lautstärksten Anti-Mafia-Kämpfer in der katholischen Kirche.

Franziskus flog am Wochenende mit dem Helikopter aus Rom ein. Dabei passierte er auch die Terra dei Fuochi. „Es ist schrecklich, dass eine solch schöne Landschaft ruiniert wird. Es herrscht kein Respekt für die Umwelt, es herrscht ein Klima des Gesetzbruchs“, soll der Papst gesagt haben.

Um 18 Uhr begann die Zeremonie auf der Piazza Carlo III. vor dem barocken Königspalast, Reggia di Caserta genannt. Die Besucherzahl wurde auf rund 200.000 geschätzt. Geschwenkt wurden argentinische, aber auch ukrainische Flaggen. Immigranten aus Castel Volturno hielten ein Transparent hoch. Darauf war zu lesen: „Vereint gegen die Camorra und Rassismus“.

Papst Franziskus wandte sich ihnen in seiner Predigt zu. „Die Gegenwart von Jesus Christus verändert unsere Existenz. Sie macht uns offen für die Bedürfnisse unserer Brüder. Sie lädt uns dazu ein, jeden anderen zu empfangen, auch den Fremden oder den Immigranten.“ Auch die Themen Kriminalität und Umweltschutz griff er auf. „Man muss den Mut aufbringen, Nein zu sagen zu jeder Form der Korruption und Gesetzlosigkeit“, sagte Papst Franziskus unter dem Beifall der Zuhörenden. „Man muss sich für die Umwelt einsetzen, um die Gesundheit seiner Mitmenschen zu gewährleisten. Wir wissen alle, wie der Name dieser Korruption lautet.“

Angereist waren Menschen mit Pkws, Bussen und Bahnen aus dem ganzen Land. Um den Ansturm zu bewältigen, richtete die Bahn Sonderfahrten ein. Die Menschen trotzten dem schlechten Wetter. Auf der Piazza Carlo III. in Caserta spannten die Besucher ein Heer von Regenschirmen auf. Die meisten schützten sich mit Plastikumhängen vor dem Wolkenbruch. Als der Papst das Wort ergriff, kam allerdings die Sonne heraus. Franziskus wirbt für mehr Toleranz gegenüber den Flüchtlingen und verurteilt kriminelle Umtriebe. In Kalabrien verstieß er Mafiosi aus der christlichen Gemeinschaft. „Diejenigen, die den Weg des Bösen gehen, so wie es die Mafiosi tun, sind nicht in der Gemeinschaft mit Gott. Sie sind exkommuniziert“, sagte der Papst.

Reisen in Krisengebiete, klare Worte – Papst Franziskus sucht die Nähe zu einfachen Menschen. Manchmal tut er das auch vollkommen unerwartet. Am Freitag stellte sich der Pontifex unangemeldet in der Kantine des Vatikans an. Er lud sich ein Stück Kabeljau, Pasta, gegrillte Tomaten und einige wenige Pommes auf sein Tablett. Kassiererin Claudia Di Giacomo sei so baff gewesen, dass sie sich nicht getraut habe, ihm die Rechnung auszustellen, schrieb die Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“. Statt zu zahlen, spendete Franziskus einen Segen. Während des Essens plauderte er mit Lagerarbeitern der Vatikan-Apotheke, anscheinend auch über Fußball. Schließlich ist der Papst ein glühender Anhänger des argentinischen Vereins San Lorenzo de Almagro.