Familie

Großeltern können Vormundschaft für Enkel beanspruchen

Großeltern dürfen bei der Auswahl eines Vormunds für ihr Enkelkind nicht übergangen werden.

Der im Grundgesetz garantierte Schutz der Familie schließe nicht nur familiäre Bindungen zu den Eltern, sondern auch zu nahen Verwandten ein, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss. Voraussetzung, um als Vormund in Betracht zu kommen, ist allerdings eine enge familiäre Bindung zum Kind (AZ: 1 BvR 2926/13).

Im konkreten Fall wollte eine Großmutter aus Aachen als Vormund für ihr jüngstes Enkelkind eingesetzt werden. Sie hatte bereits die älteste, 2001 geborene Enkeltochter in ihre Obhut genommen. Als im Jahr 2008 die zweite Enkeltochter zur Welt kam und die Mutter mitsamt der jüngeren Tochter kurz hintereinander mehrmals zu unterschiedlichen Partnern zog, informierte die Großmutter das Jugendamt. Das Kindeswohl der jüngeren Enkeltochter sei gefährdet, argumentierte sie. Im Herbst 2011 entzog das Familiengericht der Mutter die elterliche Sorge für beide Kinder. Als Vormund wurde zunächst das Jugendamt eingesetzt. Später wurde die Oma als Vormund für die ältere Enkeltochter bestimmt, die jüngere kam in eine Pflegefamilie.

In der Pflegefamilie verwurzelt

Den Antrag der Oma, auch die Vormundschaft für die jüngere Enkeltochter zu übernehmen, lehnte das Gericht ab, weil das Mädchen in der Pflegefamilie bereits verwurzelt sei. Mit einem Wechsel zur Großmutter sei dem Kindeswohl nicht gedient, hieß es. Das Bundesverfassungsgericht entschied nun, dass Großeltern und andere nahe Verwandte bei der Auswahl eines Vormunds in Betracht zu ziehen sind. Sie könnten sich auf den grundrechtlichen Schutz der Familie berufen, weil es familiäre Bindungen auch über mehrere Generationen hinweg gebe. Nahen Verwandten komme bei der Auswahl eines Vormunds „Vorrang gegenüber nicht verwandten Personen zu“, es sei denn, eine dritte Person sei für die Vormundschaft besser geeignet. Dies sei jedoch hier der Fall, so die Richter. Die jüngere Enkeltochter sei in der Pflegefamilie mittlerweile verwurzelt, sodass die Großmutter zu Recht nicht als Vormund bestimmt wurde.