Kommentar

Die S-Bahn-Vergabe nicht verschleppen

Thomas Fülling zur Offerte der Deutschen Bahn

Es war ein wichtiges Signal für Berlin, das die Deutsche Bahn am Donnerstag bei ihrer Halbjahresbilanz gegeben hat: Der bundeseigene Konzern werde ein wettbewerbsfähiges Angebot für den S-Bahn-Betrieb nach 2017 abgeben, kündigte der für Personenverkehr zuständige Vorstand, Ulrich Homburg, an. Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg hatten zuvor ein Drittel des 332 Kilometer langen Schnellbahnnetzes europaweit ausgeschrieben und suchen nun etwa für die wichtigen Ringbahn-Linien einen neuen Betreiber.

Erst vor wenigen Tagen hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg die Interessenten aufgefordert, ein verbindliches Angebot abzugeben. Die Deutsche Bahn hat nun als Erstes ihren Hut in den Ring geworfen. Natürlich will das bundeseigene Unternehmen schon aus Prestigegründen die S-Bahn in der Hauptstadt nicht ohne Widerstand an einen Mitbewerber aus Frankreich oder gar aus Fernost verlieren. Dennoch ist das klare Bekenntnis der Bahn zu Berlin keine Selbstverständlichkeit, hat doch die Berliner S-Bahn infolge eines jahrelangen Missmanagements, aber auch wegen verfehlter Sparvorgaben ihrem Mutterkonzern hohe Verluste beschert. Rund 360 Millionen Euro musste dieser allein zwischen 2009 bis 2012 ausgleichen, damit die S-Bahn Berlin GmbH nicht pleite geht. Weil der wirtschaftliche Druck auf faktisch allen Geschäftsfeldern wächst, muss aber auch die Deutsche Bahn inzwischen zunehmend mit spitzem Bleistift kalkulieren, wo sie noch investiert.

Und Investitionen werden ihr bei der S-Bahn in erheblichem Maße abverlangt. Dringend gebraucht werden etwa 400 neue Wagen. Die kosten – je nach Ausstattung – bis zu eine Milliarde Euro, die der Gewinner der laufenden S-Bahn-Ausschreibung vorfinanzieren muss. Und da die neuen Züge wegen der von der Politik jahrelang verschleppten Ausschreibung frühestens 2020 in nennenswerter Zahl einsatzbereit sein werden, muss die Bahn auch noch die 150 Doppelwagen der Altbaureihen modernisieren, die eigentlich 2017 ausgemustert werden sollten. Die Ertüchtigung der alten Wagen kann aber nicht auf einen Schlag erfolgen, reicht doch die Fahrzeugflotte der S-Bahn schon jetzt nicht aus, um ihren Fahrgästen in Spitzenzeiten genügend Plätze anzubieten. Damit es 2017 nicht zu einem neuen S-Bahn-Chaos kommt, müssen Umfang und Finanzierung der Fahrzeugmodernisierung rasch vereinbart werden. Die Bahn hat jetzt ihre Bereitschaft bekundet. Der Berliner Senat ist nun gefordert, im Interesse der bis zu 1,3 Millionen S-Bahn-Nutzer am Tag nicht endlos um seinen Anteil zu feilschen.