Tragödie

Abschied von Evie, Mo und Otis

Die australische Familie Maslin hat ihre drei Kinder beim Absturz der MH17 verloren. Die Eltern veröffentlichen einen bewegenden Brief

Diese Worte sind schwer zu ertragen. Anthony Maslin und Marite Norris, deren drei Kinder zusammen mit ihrem Großvater auf dem tragischen Flug MH17 waren, haben einen Brief über ihren Verlust und ihren Schmerz veröffentlicht. Ihr Leben sei eine „Hölle noch jenseits der Hölle“, schreiben sie darin. Das australische Paar aus Perth hatte zusammen mit der Familie Urlaub in Amsterdam gemacht. Der Großvater Nick Norris wollte die drei Kinder Mo, 12, Evie, 10, und Otis Maslin, 8, auf dem Flug MH17, der vergangenen Donnerstag in der Ostukraine vermutlich von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde, zurück nach Hause begleiten, damit die Kinder pünktlich nach den Ferien in die Schule kämen. Die Eltern wollten dagegen noch ein paar Tage in Europa bleiben.

Sie sind mit ihrem Schmerz nicht allein. Auch in den Niederlanden herrscht tiefe Trauer über den Tod von 193 Menschen. Eine Luftbrücke brachte am Donnerstag weitere Opfer des Flugzeugabsturzes zurück in ihre Heimat. Militärtransporter holten am Donnerstag 74 Leichen aus der ukrainischen Stadt Charkow ab.

Die Regierung in Den Haag forderte unterdessen eine internationale Polizeitruppe, um Ermittler an der Absturzstelle von Flug MH17 zu schützen. Es gehe nun darum, Klarheit über die Ursache zu erlangen und die Täter zu bestrafen. Bei dem Abschuss der malaysischen Boeing 777-200 über der Ostukraine waren vor einer Woche insgesamt 298 Menschen getötet worden. Der niederländische Außenminister Frans Timmermans traf am Donnerstag mit seiner australischen Kollegin Julie Bishop in Kiew ein, um sich über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Niederlande und Australien bereiten nach Medienberichten eine Resolution für den UN-Sicherheitsrat vor, um den Einsatz einer bewaffneten Einheit in dem Katastrophengebiet zu ermöglichen.

Bereits am Mittwoch waren die ersten 40 Toten in Eindhoven eingetroffen, erwartet vom niederländischen Königspaar, von Ministerpräsident Mark Rutte und vielen Angehörigen der Opfer. Tausende Menschen verfolgten an der Strecke den Konvoi von Leichenwagen, der die Toten in eine Kaserne in Hilversum brachte. Dort sollen die Absturzopfer von 75 Gerichtsmedizinern identifiziert werden. Auch Malaysia und Neuseeland entsandten Forensiker zur Hilfe in die Niederlande. Die Identifizierung wird nach Einschätzung von Experten Wochen oder Monate dauern. In Farnborough in Großbritannien untersuchten internationale Fachleute die zwei Flugschreiber der Boeing.

Der niederländische Sicherheitsrat, der die internationale Untersuchung des Absturzes leitet, forderte ungehinderten Zugang zur Unglücksstelle. Ermittler könnten auch eine Woche nach dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing von Malaysia Airlines noch immer nicht zu der Stelle, da ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei. Allerdings durften Beobachter der OSZE sowie Experten aus Malaysia und Australien am Donnerstag die Unglücksstelle besuchen und die Lage von Wrackteilen dokumentieren.

Anthony Maslin und Marite Norris sind seit Sonnabend wieder zurück in Australien. In ihrem offenen Brief, den sie an die Soldaten in der Ukraine, an Politiker, die Medien sowie Freunde und Familie adressierten, schreiben sie:

Unser Schmerz ist intensiv und unbarmherzig. Wir leben in einer Hölle jenseits der Hölle.

Unsere Babys sind nicht mehr bei uns – wir müssen damit leben, jeden Tag und jeden Moment, für den Rest unseres Lebens.

Niemand hat verdient, was wir durchmachen.

Auch nicht die Menschen, die unsere ganze Familie vom Himmel geschossen haben.

Kein Hass in der Welt ist so stark wie die Liebe, die wir für unsere Kinder empfinden, für Mo, für Evie, für Otis.

Kein Hass in der Welt ist so stark wie unsere Liebe für Großvater Nick.

Kein Hass in der Welt ist so stark wie die Liebe, die wir füreinander haben.

Diese Offenbarung gibt uns etwas Trost.

Wir bitten jeden, sich daran zu erinnern, der eine Entscheidung zu treffen hat, die uns und die anderen Opfer dieses Horrors betrifft.

Seit wir wieder zu Hause sind, sind Freunde und Familienangehörige bei uns. Wir beten, dass das weiter so sein wird, denn ihre Liebe ist es, die uns am Leben hält.

Wir wollen weiterhin etwas von Euren Leben erfahren, das Gute und das Schlechte. Wir haben kein Leben mehr, das wir für uns alleine leben wollen. Wir wollen die Chance nutzen, uns bei allen zu bedanken, bei all unseren großartigen Freunden, Familienangehörigen und anderen Gemeinschaften und Euch allen sagen, dass wir Euch sehr lieben.

Anthony Maslin und Marite Norris bitten schließlich noch darum, ihre Privatsphäre zu achten. Schmerz sei keine Story, appellieren sie an die Medien.

Australien hat neben den Niederlanden und Malaysia die meisten Toten zu beklagen. Von den 298 Menschen, die beim Absturz der Boeing 777 getötet wurden, waren 28 australische Bürger. Auch die runter war auch eine Deutsche Gabriele Lauschet, die in Sydney als Erzieherin an der Deutschen Auslandsschule arbeitete, war unter den Opfern. Die 48-Jährige, die sich kurz zuvor erst verlobt hatte, war „eine von den Kindern vergötterte Erzieherin und bei allen beliebte Kollegin“, wie die Schule auf ihrer Facebook-Seite schreibt.